Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

BUND Sachsen-Anhalt

Stadtforst Salzwedel: 1.500 Hektar Wildnis am Grünen Band

Der Stadtforst Salzwedel ist eine ganz besondere Perle in der "Naturperlenkette" Grünes Band. Mit einer nationalparkwürdigen Größe von 1.500 Hektar ist er einer der größten unzerschnittenen Feuchtwälder in ganz Deutschland.
Durch die Lage am Grünen Band sind weite Teile des Waldes in den vergangenen sieben Jahrzehnten von forstlichen Eingriffen verschont geblieben. So konnten Sie sich zu einem der letzten Rückzugsräume für viele Arten der Roten Liste entwickeln: Eine wahre Schatzkammer der Natur!

In den ausgedehnten Erlenbeständen brüten überall Kraniche, im Mai taucht die Wasserfeder den feuchtesten Teil des Waldes in ein weißes Blütenmeer, in alten Baumhöhlen und hinter abstehender Borke finden zahlreiche selten gewordene Fledermausarten ein Zuhause. Entlang breiter Waldschneisen gaukeln kleine Tagfalter im Sonnenlicht durch die Lüfte. Und sogar Fischotter und Schwarzstorch suchen hier nach Nahrung und ziehen ihre Jungen auf.

Auch für den Menschen ist dieser Wald ein attraktiver Erlebnisraum: Bohlenstege erschließen urwaldähnliche Teilbereiche und laden zum Entdecken ein. Nicht zuletzt ist der Wald auch für Klima- und Hochwasserschutz von Bedeutung. 

Das "Bürgerholz Salzwedel" repräsentiert einen typischen Ausschnitt eines Niederungswaldes des norddeutschen Tieflandes und ist eines der größten zusammenhängenden Feucht-Laubwaldgebiete Sachsen-Anhalts. Es ist Teil des langgestreckten Niedermoorkomplexes der "Landgraben-Dumme-Niederung", die in weiten Teilen zu einem der am besten erhaltenen Niedermoor-Torfkörpern in Deutschland zählt.

Der aktuelle Bestand großflächiger Erlenbruchwälder und Erlen-Eschen-Wälder entspricht weitgehend der potentiell natürlichen Vegetation für dieses Gebiet.

Von herausragender Bedeutung ist im westlichen Teil des Kerngebietes ein ca. 150 ha großer Waldkomplex. Anfang der 1990er Jahre hat die Stadt Salzwedel gemeinsam mit dem Landkreis Renaturierungsmaßnahmen eingeleitet. Aus diesen entstand ein großflächiger und durch ganzjährig hochanstehendes Grundwasser ausgewiesener Erlenbruchwald (Carici elongatae-Alnetum), der in weiten Teilen bereits einem Wasserfeder-Erlenbruchwald (Hottonio-Alnetum) entspricht.

Die Waldformen der Erlenbruchwälder sind durch Deichbau und Grundwasserabsenkungen an den meisten Orten ihres Vorkommens in Mitteleuropa bereits gegen besser nutzbare Buchen- oder Kiefernforste ersetzt worden. Nicht nur durch diese Seltenheit, sondern auch auf Grund des besonderen Landschaftsbildes gilt der Stadtforst als besonders wertvoll, sowohl als Lebensraum für Tiere und Pflanzen als auch als besonderer Wald für die Erholung in der Natur. Durch seinen dichten Kronenschluss, das dunkle Laub und den ganzjährig überfluteten Waldboden, kommt der Salzwedler Stadtforst dem typischen Bild der meisten Menschen, von einem Urwald sehr nahe. 

Arten im Salzwedler Forst

Der Stadtforst Salzwedel bietet einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Viele von ihnen werden in der Roten Liste für gefährdete Tier- und Pflanzenarten Deutschlands geführt. Zum Beispiel der Fischotter oder der Schwarzstorch. Ebenso sind einige Arten in der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie vertreten. Zum Beispiel ist das Gebiet durch individuenreiche Populationen von Moorfröschen und Ringelnattern gekennzeichnet. Eine überregionale und bundesweite Bedeutung hat das Kerngebiet des Stadtforstes für Fledermäuse, insbesondere auf Grund der Wochenstubenverbände der Großen Bartfledermaus. Es wurden bisher sechs Fischarten nachgewiesen, die in den Roten Liste als gefährdet sowie als stark gefährdet eingestuft sind. Dazu gehören z.B. das Bachneunauge (Lampetra planeri). 

Biotope im Salzwedler Stadtforst

Im renaturierten Kerngebiet des Salzwedler Stadtforstes befindet sich ein Erlenbruchwald (Carici elongatae-Alnetum), der in weiten Teilen bereits einem Wasserfeder-Erlenbruchwald (Hottonio-Alnetum) entspricht.

Als eine weitere typische Gesellschaft für Standorte mit geringer Grundwasserbewegung sind hier außerdem Traubenkirschen-Erlen-Eschen-Wälder (Pado-Fraxinetum) anzutreffen. Zwischen den Erlenbruchwäldern und den Erlen-Eschen-Wäldern haben sich die für derartige Standortverhältnisse typischen, mannigfaltigen Übergänge ausgebildet. Auf Grund der aktuellen Artenausstattung und Vegetationsstruktur steht der gesamte Komplex den Erlen- und Eschenwäldern an Fließgewässern (prioritärer FFH-Lebensraumtyp 91E0) sehr nahe. Die höher gelegenen Talsandinseln sind mit Stieleichen-Hainbuchen-Wäldern (Stellario-Carpinetum) und Eichen-Buchen-Forsten bestockt.

Der östliche Teil des Kerngebietes weist auf engstem Raum ein reich strukturiertes Bodenrelief auf, so dass sich ein Mosaik unterschiedlicher Waldgesellschaften entwickelt hat. Flächenmäßig dominieren wiederum Erlenbruchwälder (Carici elongatae-Alnetum), Erlen-Eschen-Wälder (Pado-Fraxinetum), die teilweise dem FFH-Lebensraumtyp 91E0 entsprechen, sowie Erlen-Sumpfwälder. Kleinflächig sind Stieleichen-Hainbuchen-Wälder (Stellario-Carpinetum) und Buchenwaldgesellschaften ausgebildet. Bei letzteren handelt es sich vorwiegend um die bodenfeuchte Ausbildung des Waldmeister-Buchenwaldes (Asperulo-Fagetum). Lediglich einzelne Teilbereiche sind in der Vergangenheit nicht standortgerecht mit Hybrid-Pappeln aufgeforstet worden.

Weitere Biotope, die im Stadtforst Salzwedel zu finden sind:

  • Bruchwälder
  • Hecken und Feldgehölze
  • Röhrichte
  • Verlandungsbereiche stehender Gewässer 

Auch für den Menschen ist dieser Wald ein attraktiver Erlebnisraum: Bohlenstege erschließen urwaldähnliche Teilbereiche und laden zum Entdecken ein. Nicht zuletzt ist der Wald auch für Klima- und Hochwasserschutz von Bedeutung .

Diese Perle des Naturschutzes am Grünen Band in der Altmark war durch die geplante Privatisierung akut bedroht! Angesichts ihrer schlechten Haushaltslage sieht sich die Hansestadt Salzwedel gezwungen, ihr Tafelsilber zu verkaufen: dazu zählt auch der Stadtforst Salzwedel, der sich seit vielen Jahrhunderten im Besitz der Stadt befindet.  
Es ist gelungen, mit dem neuen Eigentümer eine Nutzung im Sinne des Naturschutzes und des Natur Erlebens zu ermöglichen.

Nehmen Sie Kontakt auf!

Dieter Leupold

Projektleiter Grünes Band Sachsen-Anhalt bei der BUND-Stiftung
E-Mail schreiben Tel.: 039000 - 90872 Mobil: 0151 - 12558830 Fax: 039000 - 51232

Das Grüne Band...

BUND-Bestellkorb