BUND Sachsen-Anhalt

Quervernetzung Grünes Band - das ökologische Rückgrat wird gestärkt

Seit 1989 hat der BUND umfangreiche politische und naturschutzfachliche Arbeit geleistet, damit das 1.393 Kilometer lange Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze erhalten bleibt. Der Lebensraumverbund wird stetig weiterentwickelt - als zentrale Achse des bundesweiten Biotopverbundes naturschutzfachlich und als einmalige Erinnerungslandschaft. Im Projekt „Lückenschluss Grünes Band“, gefördert von 2012 bis 2020 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt, lag der Fokus im Schließen von Lücken: Landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen, die im Korridor des Grünen Band liegen, wurden einer naturschonenden Nutzung zugeführt.

Das ebenfalls im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderte Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ (Oktober 2019 – September 2025) baut darauf auf. Das Ziel ist nun, das Grüne Band an sonstige landes-, bundes- oder sogar europaweit bedeutsame Biotopverbundachsen anzubinden und so seine Funktion als Rückgrat des Biotopverbunds zu stärken.

Überregional vernetzte Biotopverbundachsen werden in Zukunft eine immer größere Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt und die Erhaltung von Ökosystemleistungen haben. Hierzu müssen für die Verbundfunktion wichtige Gebiete naturschutzfachlich aufgewertet und entwickelt werden. Dadurch vergrößert sich der ökologische Verbund, Tiere und Pflanzen können sich wieder ausbreiten und weitere Arten ein Refugium finden.

Dazu wird der BUND in fünf so genannten Vernetzungsgebieten (VG), ausgehend vom Grünen Band, Achsen und Korridore schaffen und langfristig erhalten:

  • VG Delvenau (Schleswig-Holstein): Hier stehen die Wiederherstellung der Durchgängigkeit des Fließgewässers Delvenau und langfristig die Wiedervernässung der Aue im Fokus. Neben der naturschutzfachlichen Zielsetzung soll die Mineralisierung der Niedermoorflächen gestoppt und eine Regeneration des Moores ermöglicht werden. Dies trägt zur Sicherung des Torfkörpers als Kohlenstoffspeicher und damit zum Klimaschutz bei.
  • VG Landgraben-Dumme-Niederung (Sachsen-Anhalt): Die Niederung ist Teil einer bundesweit bedeutenden Biotopverbundachse für Feuchtgebiete. Durch Nutzungsintensivierung in den letzten Jahrzenten auf beiden Seiten des Grünen Bandes sind dort verschiedene Feuchtlebensräume stark bedroht. Die lineare Struktur des Grünen Bandes als Lebensraum allein reicht hier nicht aus, um die Funktion dieser Feuchtgebietsachse zu erhalten, so dass auch an das Grüne Band angrenzende Feuchtgebiete wiederhergestellt werden müssen.
  • VG Thüringer Schiefergebirge (Thüringen): Der Schwerpunkt liegt hier auf der Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der Offenlandlebensräume (Grünland) in den typischen, engen Bachtälern. Diese sollen mit dem Grünen Band vernetzt werden, um durchgehende Biotopverbundstrukturen (Wanderkorridore für offenlandliebende Arten, wie z. B. Schmetterlinge, Libellen und Heuschrecken) zu schaffen. Wichtige Biotope sind Bergwiesen, Borstgrasrasen, feuchte Hochstaudenfluren und Zwergstrauchheiden mit zahlreichen wertgebenden Arten.
  • VG Rhön-Grabfeld (Bayern): In dem durch intensive landwirtschaftliche Nutzung geprägten Gebiet ist die Etablierung von mehrjährigen Blühflächen als Vernetzungsstruktur für Wildbienen und Vögel das Hauptziel. Dafür werden Blühflächen mit einer fünf- bis achtjährigen Wildpflanzenmischung als Alternative zu der vorherrschenden Energiepflanze Mais angebaut und ihre Biomasse zur Energiegewinnung genutzt.
  • VG Innerer Bayerischer Wald (Bayern-Tschechien): Hier soll die Vielfalt der Lebensräume der historischen, grenzübergreifenden (Hochlagen-)Kulturlandschaft (u. a. „Waldhufen“) mit einem einzigartigen Mosaik aus naturschutzfachlich wertvollen Offenlandbiotopen (artenreiche Bergwiesen, Borstgrasrasen, Moore, Trockenheiden, Hecken und Lesesteinriegel) durch Etablierung eines langfristigen, an den traditionellen Landnutzungsformen orientierten Gebietsmanagements, erhalten und weiter entwickelt werden. Wie die Erhaltung der wertvollen Offenlandstrukturen auch grenzübergreifend gelingen kann, soll zusammen mit tschechischen Naturschützer*innen aus dem Bereich des Šumava diskutiert werden.  

Wir wollen beispielhaft und in verschiedenen Ansätzen erproben, wie wir zusammen mit Landwirtinnen und Landwirten, Landschaftspflegeverbänden, Schutzgebietsverwaltungen, Behörden und Gemeinden landschaftliche Elemente für einen Biotopverbund entwickeln und dauerhaft erhalten können. Außerdem sollen neue Biotope entstehen, besonders für Insekten. Hierfür werden u. a. wertvolle Strukturelemente wie Teiche, Steinriegel oder Hecken angelegt. Wo naturschutzfachlich notwendig, wollen wir wichtige Flächen auch erwerben. Weiterhin wollen wir die Bedeutung von Lebensraumnetzen weiter bekannt machen, Akzeptanz dafür schaffen und sie für Menschen erlebbar machen.

 

Das Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ wird gefördert vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Bundesprogramms biologische Vielfalt.

Grünes Band: Aus der Linie wird ein Netz

In dem Projekt "Quervernetzung Grünes Band" bekommt das Grüne Band – als Rückgrat der Vielfalt – neue Verbindungen zu naturnahen Gebieten entlang des Biotopverbunds.

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