Entwurf des Koalitionsvertrags zum Gipsabbau im Südharz: Ausstieg bis 2045 statt Intensivierung – Alternativen fördern

24. August 2021 | Chemie, BUND, Bundestagswahl, Harz, Nachhaltigkeit, Naturschutz, Ressourcen & Technik, Suffizienz

Magdeburg/ Südharz. Im Entwurf des Koalitionsvertrags von CDU, SPD und FDP ist geplant, den Gipsabbau in Sachsen-Anhalt zu intensivieren. Das hätte erhebliche negative Auswirkungen auf das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz. Der BUND Sachsen-Anhalt fordert die Regierungskoalition auf, dem Beispiel von Niedersachsen zu folgen und auch in Sachsen-Anhalt die Pläne zur Erweiterung von Gipsabbauflächen endgültig zu stoppen. Stärkere Anreize für Gips-Recycling und der Einsatz alternativer Baustoffe machen nach Angaben des Verbandes einen Ausstieg aus Naturgipsabbau bis spätestens 2045 möglich.

„Diese einzigartige länderübergreifende Gipskarstlandschaft in Thüringen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt darf nicht zum Gipssteinbruch für ganz Europa werden“, fordert Christian Kunz, Landesgeschäftsführer des BUND Sachsen-Anhalt. „Niedersachsen hat den Forderungen der Gipsindustrie nach einer Erweiterung von Abbauflächen eine klare Absage erteilt. Nun muss die neue Landesregierung in Sachsen-Anhalt nachziehen. Doch die im Koalitionsvertragsentwurf vereinbarte Förderung des Gipsabbaus würde dieses landschaftliche Juwel gefährden.“


Nach einer Studie des BUND bedarf es trotz des Wegfalls von Gips, der bei Braunkohleverstromung in Rauchgasentschwefelungsanlagen entsteht (REA-Gips), keiner neuen Gipssteinbrüche. Aus Sicht des Verbandes verdeutlichen die Probebohrungen der Gipsfirma Knauf im Frühjahr vor allem das Versäumnis der Industrie nach Alternativen zum Naturgips zu suchen.


„Naturgips ist ein endlicher Rohstoff, mit dem wir schonend umgehen sollten, statt ihn auszubeuten“, so Kunz. „Es gibt aber Alternativen. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft kann den Ressourcenverbrauch deutlich reduzieren und die Naturgipsvorräte schützen. Parallel dazu müssen alternative Baustoffe wie Lehm, Holz und andere nachwachsende Rohstoffe gefördert werden, um den Gipsverbrauch generell zu reduzieren. Ein Ausstieg aus dem Naturgipsabbau bis 2045 ist möglich, wie in der BUND-Studie dargestellt. Daher muss die Landesregierung jetzt die Weichen stellen. Darüber hinaus sollte sie sich auf Bundesebene für strengere Regelungen für das Recycling von Chemiegipsen und Gipsprodukten stark machen.“


Ralf Meyer, der Landesvorsitzende des BUND meint dazu: „Die zukünftige Landesregierung gefährdet mit dem weiteren Gipsabbau die Auszeichnung des Biosphärenreservates als UNESCO-Biosphärenreservat. Denn das Festhalten und Forcieren des Gipsabbaus zerstört einzigartige Natur und verhindert eine zukunftsfähige Landesentwicklung in dieser Region.“


Mehr Informationen:

https://www.bund-thueringen.de/fileadmin/thueringen/Gipskarst_Suedharz/Vortrag_Alwast_19112020.pdf

https://www.bund-thueringen.de/fileadmin/thueringen/Gipskarst_Suedharz/Gutachten_Alwast_Bericht_BUND_20092020.pdf


Rückfragen:
Christian Kunz, Landesgeschäftsführer, mobil: 0171 106 9256, christian.kunz@bund-st.de

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