Wissenwertes zur Tierart
Wolf ist nicht gleich Wolf
Der inzwischen in Deutschland wie der heimische Eurasische Wolf (Canis lupus lupus) ist eine Unterart des Wolfes (Canis lupus). In Fabeln und Märchen als Isegrim bekannt, wird er auch als Europäischer Grauwolf bezeichnet. Er gehört zur Familie der Hundeartigen (Canidae).
Besondere Merkmale
Ein Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald.
(Meli1670
/
pixabay.com)
Durch die Abstammung der Hunde von Wölfen ist eine Unterscheidung oft nicht leicht. Der Wolf zeichnet sich durch seine langen, hohen Beine sowie die im Gegensatz zum Hund meist herabhängende Rute mit schwarzer Spitze und den geraden Rücken aus. Am Kopf sind die kleinen, dreieckigen und leicht abgerundeten Ohren ein besonderes Merkmal für die Tierart, ebenso die Lefze – die hell gezeichnete Schnauze. Besonders markant ist der sogenannte „geschnürte Trab“, eine Gangart des Wolfs, bei der die Hinterpfote exakt an die Stelle der jeweiligen Vorderpfote gesetzt wird und sich Trittsiegel im nassen Untergrund oder im Schnee überlagern.
Das Rudel - eine Familie auf die Verlass ist
Die Paarungszeit der Eurasischen Wölfe findet von Januar bis Februar statt. Nach einer Tragzeit von etwa 60 bis 63 Tagen werden die Welpen im April oder Mai geboren. Ein typischer Wurf besteht aus etwa vier bis sechs Welpen, obwohl dies je nach Nahrungsverfügbarkeit und anderen Umweltfaktoren variieren kann. Die Welpen werden in einem geschützten Unterschlupf geboren und bleiben dort für die ersten Wochen ihres Lebens. Innerhalb weniger Wochen beginnen sie, feste Nahrung zu sich zu nehmen und werden langsam in die Jagdtechniken des Rudels eingeführt. Als Rudel bezeichnet man die Kleinfamilie der Wölfe. Die Koordination innerhalb des Rudels während der Jagd ist bemerkenswert und beruht auf einer Mischung aus Kommunikation, gegenseitigem Vertrauen und angeborenen Instinkten.
Nahrung bedingt Reviergröße und Poulation
Als streng territoriales Tier mit ausgeprägtem Revierverhalten zwingen die Revierbesitzer neu einwandernde Artgenossen und die ein- bis zweijährigen Jungwölfe des eigenen Rudels dazu, sich andere Streifgebiete zu erschließen. Die Individuenzahlen in einem Gebiet bleiben somit auf einem weitestgehend konstanten Niveau des Rudels von ca. fünf bis zehn Tieren (Elternpaar, Welpen und Jungtiere aus dem Vorjahr). Zudem stirbt ein Großteil der Nachkommen bereits im ersten oder zweiten Lebensjahr. Als großräumig lebende, hochmobile Art können Wölfe Tagesdistanzen von mehr als 70 km zurücklegen. Dies wies ein Forschungsprojekt des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) anhand besenderter Jungwölfe in der Lausitz im Zeitraum 2009 bis 2011 nach. Je nach Nahrungsverfügbarkeit schwankt die Reviergröße eines mitteleuropäischen Rudels zwischen 100 und 350 Quadratkilometern.
Beutespektrum
Auf dem Speiseplan der heimischen Wölfe stehen allen voran Reh-, Rot- und Schwarzwild sowie seltener Hasen, Mäuse und Vögel. Übergriffe auf Nutztiere wie Schafe oder Ziegen finden insbesondere bei nicht ausreichend geschützten Nutztieren statt. Nur ein Prozent der Beute geht auf Nutztierrisse zurück. Wie Nahrungsanalysen in der Lausitz zeigten, ernähren sich Wölfe zu 96 Prozent von Rehen, Hirschen und Wildschweinen.
Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?
Der Wolf ist ein Rudeltier. Man kann das Rudel auch als seine Familie bezeichnen, da es aus einem Elternpaar und mehreren Welpen sowie Jungtieren des letzten Jahres besteht. Das Wolfspaar bleibt meist ein Leben lang zusammen. Wie in jeder Familie gibt es Regeln, zusammen wird gejagt und füreinander gesorgt.
Lange galt der Wolf in Deutschland als ausgestorben, in den letzten Jahren breiten sich Wölfe hierzulande wieder aus. Die ersten Beobachtungen von sich wieder ansiedelnden Wölfen in Deutschland gab es 1996. Im Jahr 2000 wurde schließlich der erste wildlebende Wolfsnachwuchs in der Muskauer Heide in Sachsen geboren. Die Ausbreitung erfolgte zunächst in der Lausitz in Sachsen und Brandenburg.
Inzwischen sind 209 Rudel, knapp 46 Paare und 19 Einzelwölfe in Deutschland nachgewiesen. In Sachsen-Anhalt gibt es 32 Rudel (fünf mehr im Vergelich zur letzten Zählung) zuzüglich Paaren, grenzübergreifenden Rudeln und Einzeltieren. (Stand Dezember 2024 laut Wolfmonitoringbericht).
zum aktuellen Monitoringbericht
Ehrenamt im Wolfsmonitoring
im Gespräch mit Carol Höger
Carol Höger in der Goitzsche
(Frank Koch)
Ich arbeite bei der BUND-Stiftung im Goitzsche-Wildnis-Projekt. Dabei bekomme ich viel Unterstützung unserer lokalen Kreisgruppe Anhalt-Bitterfeld. Seit über zehn Jahren bin ich in dieser BUND-Gruppe ebenfalls ehrenamtlich aktiv, seit einigen Jahren sogar im Vorstand. Zudem unterstütze ich das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) bei der Erstellung des jährlichen
Wie bist du auf die ehrenamtliche Tätigkeit aufmerksam geworden?
2017 haben wir die ersten Wolfsspuren in der Goitzsche entdeckt, 2019 gab es eine Wolfssichtung durch einen Fotografen und 2021 hatten wir einen Fotonachweis mit einer Wildkamera. Seit diesem Zeitpunkt arbeiten wir mit dem WZI zusammen. Ich dokumentiere Wölfe auf den Flächen der BUNDstiftung in der Goitzsche-Wildnis und im unmittelbaren Umkreis. Dadurch ergeben sich Schnittstellen mit meiner Tätigkeit im Goitzsche-Wildnis-Projekt. Deshalb kann ich einen Teil der Aufgaben in meiner Arbeitszeit erledigen.
Welche Aufgaben sind das konkret?
Die Aufgaben im Gebiet sind vielfältig: Zunächst sollte man an einer Schulung teilnehmen und sich mit dem Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) in Verbindung setzen. Zum Monitoring gehört dann zum Beispiel, die Wege, welche der Wolf als Reviergrenze nutzt, zu erkennen, abzugehen und nach genetischem Material wie Kot – der Jäger sagt Losung dazu – Ausschau zu halten. Für eine genetische Probe muss der Kot ganz frisch sein, möglichst maximal einen Tag alt. Auch eine Wolfsfährte zu finden, besonders im Schnee, ist aufschlussreich. Hier kann man auf die Anzahl der Tiere schließen. Außerdem haben wir schon lange eine Wildtier-Beobachtung mithilfe von Fotofallen etabliert. So können Wildtiere störungsarm nachgewiesen werden. So war es auch bei den ersten Wölfen in der Goitzsche, die via Foto und Video dokumentiert wurden. Im Anschluss gilt es noch Formulare für das WZI auszufüllen und mit Fotos, GPS-Daten sowie ggf. einer Genetik-Probe gemeinsam einzureichen.
Wie viele Stunden pro Monat umfasst dein Einsatz?
Ich bin damit etwa 4 bis 5 Stunden im Monat beschäftigt.
Was begeistert dich an den Wölfen?
Wölfe leben in einem Familienverband und alle im Rudel kümmern sich liebevoll um den Nachwuchs, nicht nur die Elterntiere sondern auch Geschwister aus dem Vorjahr, sogenannte Jährlinge. Außerdem sind die Tiere sehr anpassungsfähig und kommen in fast jedem Lebensraum zurecht, wenn genug Futter vorhanden ist. Das ist ein bisschen wie bei uns Menschen, wir sind uns also ziemlich ähnlich – das begeistert mich.
Was waren die besten Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Ehrenamt?
Ganz klar waren die Höhepunkte Sichtbeobachtungen von Wölfen in freier Wildbahn. Tatsächlich ist mir dies in der Goitzsche bisher noch nicht geglückt. Aber im näheren Umkreis konnte ich schon Welpen beobachten oder im Urlaub in der Lausitz beispielsweise. 2023 war ich außerdem bei einem Wolfsseminar von Elli H. Radinger. Sie ist Autorin und hat 30 Jahre lang zu Wölfen im Yellowstone Nationalpark geforscht. Dieses Treffen hat mich sehr beeindruckt.
Hast du etwas Unerwartetes oder Neues über Wölfe dazugelernt? Was hatte dich überrascht?
Speziell in der Goitzsche-Wildnis ist mir schon im vergangenen Winter und ganz besonders im jetzigen Winter 2023/2024 aufgefallen, dass die Biber nicht mehr so aktiv wie in den vergangenen Jahren sind. Frisch gefällte Bäume gibt es kaum noch und wenn, dann nur in unmittelbarer Ufernähe, wo sie eher zart sind und mit wenigen Bissen gefällt werden können. Die Biber scheinen sehr vorsichtig an Land zu sein und bleiben lieber im Wasser. Auch auf den Fotos von Biberdämmen sind Biber viel seltener zu sehen, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Anfang Januar habe ich neben einer Biberburg Überreste eines gefressenen Bibers gefunden. An Land ist der Wolf als Beutegreifer dem Biber klar überlegen. Neben Reh und Wildschwein ist der Biber sicher eine willkommene Ergänzung im Nahrungsspektrum des Wolfes. Obwohl ich davon schon gehört hatte, war ich doch überrascht.
Erst vor Kurzem war ich auf Wolfsspuren-Suche im Schnee und konnte einer 12 Kilometer langen Fährte durch die Goitzsche folgen. Das war sehr aufregend. Hier gab es eine neue Erkenntnis: Beim Queren des Lober-Leine-Kanals nutzen einzelne Wölfe die Brücke, andere gingen daneben durch das Wasser. Ohne Schnee wäre das nicht nachzuvollziehen gewesen.
Der BUND setzt sich für den Schutz der Wölfe ein und begrüßt ihre Rückkehr. Durch Risse nicht ausreichend geschützer Nutztiere und einzelne Wölfe, die Herdenschutzzäune gelernt haben zu überspringen, entbrannte in letzter Zeit eine hitzige Diskussion. Einige Stimmen fordern sogar eine Jagdzeit für den Wolf. Warum das keine gute Idee ist, erläutert der BUND in einer neuen 6-seitigen Broschüre. Sie soll die Diskussion über Wolf und Weidetiere versachlichen.
Weidetierhaltung und Wolf in Deutschland (PDF)
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