BUND Sachsen-Anhalt

Wiesenweihe

Der leichte Vogel und seine Nester bedürfen besonderen Schutzes. Erfahren Sie hier mehr über das gestartete Projekt

Video-Beitrag im Artenforum Altmark

Hier erfahren Sie Spanndes und Wissenswertes über die Wiesenweihe und das Projekt - im Gespräch mit René Fonger

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BUND-Schutzprojekt für die Wiesenweihe

Foto: René Fonger

Die Wiesenweihe (Circus pygargus) gehört zu den seltensten Vogelarten in Deutschland und in Europa. Sie ist nach den Roten Listen der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Sachsen-Anhalt vom Aussterben bedroht bzw. stark gefährdet. Die europaweite Gefährdung der Art drückt sich in ihrer Aufnahme in den Anhang I der europäischen Vogelschutzrichtlinie aus. Im Altmarkkreis Salzwedel wurden seit 2004 Schutzprojekte nach dem Vorbild anderer Bundesländer, wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, umgesetzt.

Ziel des Projektes ist es die heute fast nur noch in landwirtschaftlichen Kulturen brütende Art vor den Erntearbeiten zu schützen. Ein Großteil der Bruten würde vernichtet werden, da die Jungvögel meist noch nicht flügge sind. Die Nester werden lokalisiert und mit einem Zaun vor Prädatoren geschützt. Sind die Jungen zur Ernte noch nicht flügge, wird eine Schutzzone um das Nest von der Ernte ausgespart und erst geerntet, wenn die Jungvögel ausgeflogen sind.

Der Altmarkkreis Salzwedel ist mit Abstand der wichtigste Lebensraum für die Wiesenweihe in Sachsen-Anhalt. 

Foto: René Fonger

Die Wiesenweihe gehört zur Familie der Habichtartigen und ist auch mit den Milanen verwandt. Sie ist jedoch bedeutend graziler und mit einem Körpergewicht von 300-400g sogar leichter als eine Krähe. Durch den leichten Körperbau und die großen Flügel ist sie ein exzellenter Segelflieger. Sie überwintert in der Sahelzone und verbringt ca. 4 Monate in Mitteleuropa, von Ende April bis August. Direkt nach der Ankunft aus dem Winterquartier besetzen die Männchen ihre Reviere.

 

Früher schwerpunktmäßig ein Bewohner ausgedehnter Niederungen, wo sie in Seggenriedern und feuchten Hochstaudenfluren ihr Nest anlegte, wechselte sie verstärkt seit den 70er Jahren in Wintergetreide-Flächen und andere Feldfrüchte. Grund war der starke Rückgang an natürlichen Lebensräumen und Veränderungen des Klimas sowie eine frühere Reife des Getreides durch neue Züchtungen. Hier ist sie, je nach gewählter Feldfrucht, extrem durch Erntearbeiten gefährdet.

Ziel des Projektes ist es deshalb, die Neststandorte frühzeitig zu finden und vor der Ernte zu schützen. Im Schwerpunktgebiet ihrer Verbreitung in Sachsen-Anhalt, dem Altmarkkreis Salzwedel, brüten jährlich 15 bis 25 Paare, dies ist über die Hälfte des landesweiten Bestandes mit 30 bis 40 Paaren. Hier fanden auch schon Bruten in Feuchtwiesen des Grünen Bandes statt, wie nördlich von Hoyersburg. Im Vorjahr gab es ein Brutpaar nördlich von Osterode am Fallstein, im Großen Bruch, dass auch zum Grünen Band gehört.

Schutzzaun im Grünland vor der Mahd

Als Bodenbrüter stellt die Prädation einen weiteren wesentlichen Faktor für den Bruterfolg dar. Deshalb werden Nester auch durch das Aufstellen eines Zaunes von 2x2 Metern und einem Meter Höhe, vor Prädatoren, wie dem Fuchs geschützt. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist der Schutz vor Lagerbildung, wenn nach Starkregen der Getreidebestand umfällt und dadurch das Nest verschüttet wird. Deshalb ist das frühzeitige auffinden und schützen der Nester unerlässlich. Sonst würden bis zu 80% der Bruten nicht erfolgreich sein. 

Ein guter Erfolg, ist jedoch nur durch einen hohen Zeiteinsatz möglich. Mit dem Beginn der Revierbesetzung muss das gesamte Untersuchungsgebiet abgesucht werden. Durch die wechselnden Anbauflächen und die in der Altmark vorherrschenden großen Schläge, gibt es immer Verlagerungen des Brutplatzes. Als Vogel des Offenlandes setzen sich die Tiere gerne auf den Boden, so dass sie oft übersehen werden. Häufig kommt es auch zu Umsiedlungen, z.B. wenn es an den Nestbau geht. Das Männchen besetzt das Revier, das Weibchen sucht aber den Brutplatz aus, dieser kann dann auch mehrere Kilometer von dem Platz entfernt sein, wo sich das Paar vielleicht schon die ganze erste Mai-Hälfte aufgehalten hat. Hat die Brut erst begonnen, finden über den Tag verteilt nur wenige Beuteflüge des Männchens statt, um das brütende Weibchen zu versorgen. Abstände von 3-4 Stunden sind keine Seltenheit. In der Zwischenzeit halten sich die Männchen nur selten im Nestumfeld auf. So kann man mehrere Stunden in der Brutzeit neben einem Feld stehen und nichts sehen und es findet dort trotzdem eine Brut statt. Deshalb ist bei der Erfassung von Wiesenweihen immer viel Geduld gefragt. 

Ein Wiesenweihe-Männchen

 

An dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank an alle Landwirte, die das Projekt unterstützt haben.

Ermöglicht wird dieses Schutzprojekt für die Wiesenweihe durch eine Förderung des Landes Sachsen-Anhalt im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Naturschutz- und Landschaftspflegeprojekten mit Mitteln aus dem Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) (Az.: 407.1.10-60128/630118000003).

Nehmen Sie Kontakt auf!

René Fonger

Projektkoordinator Schutzprojekt Wiesenweihe
E-Mail schreiben Tel.: 0163/4588642

Bilanz des Schutzprojektes für die Wiesenweihe im Jahr 2021

Foto: René Fonger

Nach zwei Jahren mit einem sehr guten Bruterfolg, ging in diesem Jahr die Zahl der erfolgreichen Bruten und die Zahl der flüggen Jungvögel deutlich zurück. Grund ist der Zusammenbruch der Feldmausbestände in der Altmark. Diese sind für viele Greifvögel die wichtigste Nahrungsquelle. So konnten zwar wieder 21 Brutnachweise im Altmarkkreis Salzwedel erbracht werden, viele der Bruten waren dann aber schon in der Brutzeit prädiert oder aufgegeben, bevor Schutzmaßnahmen durchgeführt werden konnten. 11 Paare mit mindestens 27 flüggen Jungvögeln waren erfolgreich. Dies ist eine Halbierung der flüggen Jungvögel. In Jahren mit schlechtem Nahrungsangebot schaffen es die Altvögel nicht, 4 oder 5 Jungvögel mit Nahrung zu versorgen. So hatten viele Paare nur zwei Junge. Trotzdem ein großer Erfolg des Projektes, da keine der Bruten vor der Ernte flügge gewesen wäre. Ein Brutweibchen stammte aus den Niederlanden und konnte in der Altmark 3 Junge aufziehen. Die Entfernung zwischen Beringungsort und Brutplatz beträgt fast 300km. Im Landkreis Stendal bot sich ein ähnliches Bild. Drei Bruten waren dort erfolgreich, zwei durch Schutzmaßnahmen. Leider gab es auch hier mindestens 4 weitere Bruten, die es nicht geschafft haben. Eine der Bruten wurde beim Ernten übersehen und ausgemäht. Ein Mitarbeiter der Agrar-Erzeugergemeinschaft Bismark bemerkte die Jungen beim Strohballen pressen, wie sie auf den Stoppeln saßen. Die vier Jungen hatten nicht nur wie durch ein Wunder den Mähdrescher überlebt, sondern schon mindestens einen Tag ohne Deckung auf den Stoppeln verbracht. Der Mitarbeiter benachrichtigte den Projektmitarbeiter des Wiesenweihenschutzes, der einen Zaun mit Strohwall als Sichtschutz, an der Stelle, wo das Nest war, aufstellte. Die Brut war Dank des Einsatzes der Landwirte erfolgreich.

Foto: René Fonger

Zum ersten Mal wurden auch zwei Bruten im Salzlandkreis durch Zaun und Restfläche gerettet. Der Schutz der Nester mit Zäunen ist ein mittlerweile unverzichtbarer Bestandteil der Schutzbemühungen. Von den 18 im Rahmen des Projektes eingezäunten Nestern, ging nur ein Gelege durch Prädation verloren. Der BUND hofft, dass das Projekt im nächsten Jahr fortgeführt werden kann. Ein Antrag auf Projektverlängerung ist beim Landesverwaltungsamt schon eingereicht.

Ein Großteil der Wiesenweihen ist schon in ihrem Winterquartier in der Sahelzone angekommen, wo sie bis zum nächsten Frühjahr verweilen werden.

Das Schutzprojekt für die Wiesenweihe soll im Jahr 2022 fortgeführt werden. Dafür wurde ein Antrag auf Projektverlängerung beim Landesverwaltungsamt gestellt.

Die Zusammenarbeit mit den Landwirten ist von entscheidender Bedeutung für das Projekt. Nur durch ein Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft kann der Schutz dieser Art gelingen.

Bilanz des Schutzprojektes für die Wiesenweihe im Jahr 2020

Die Bestände der seltenen Wiesenweihen bewegten sich in diesem Jahr wieder auf einem hohen Niveau. Dies ist sicher dem wiederholt hohen Feldmausbestand geschuldet. Diese profitierten vom milden Winter, der auch in den meisten Regionen nicht so nass war. Die Feldmaus ist für viele Greifvögel die wichtigste Nahrungsquelle. Im Altmarkkreis Salzwedel konnten, wie im Vorjahr, 21 Brutpaare lokalisiert werden, zusätzlich 5 Revierpaare. Von den 21 Bruten im Altmarkkreis waren 14 Paare erfolgreich, mit mindestens 53 Jungvögeln.

Im Landkreis Stendal waren von den 11 gefundenen Bruten leider nur 3 erfolgreich, mit 11 flüggen Jungvögeln. Einige Brutpaare hatten einen frühen Brutverlust, bevor Schutzmaßnahmen durchgeführt werden konnten. Eine Brut wurde aus unbekannten Umständen aufgegeben. Der Schutz der Nester mit Zäunen ist ein mittlerweile unverzichtbarer Bestandteil der Schutzbemühungen. Von den 18 im Rahmen des Projektes eingezäunten Nestern, ging nur ein Gelege durch Prädation verloren.

Bilanz des Schutzprojektes für die Wiesenweihe im Jahr 2019

Wenige Tage alte Rohrweihen. Gut zu erkennen sind die eingetragenen Äste, die es bei der Wiesenweihe nicht gibt.

Die Zahl der im Rahmen des Projektes lokalisierten Bruten konnte sowohl im Altmarkkreis Salzwedel, als auch im Landkreis Stendal erheblich gesteigert werden. So stieg die Zahl der Brutnachweise im Altmarkkreis Salzwedel von 16 Paaren im Vorjahr, auf 21 Paare. Im Landkreis Stendal konnten aufgrund einer intensivierten Suche, 13 Paare (2018: 6 Paare) gefunden werden. 22 Bruten waren erfolgreich, mit 79 flüggen Jungvögeln. Ein Großteil der Bruten wäre ohne Schutzmaßnahmen nicht erfolgreich gewesen. Zwei Paare brüteten in Luzerne, die in der zweiten Juniwoche gemäht wurde. Beide Paare hatten beim Aufstellen der Schutzzäune gerade erst mit dem Legen begonnen. Die Ernte der Wintergerste begann schon in der letzten Juniwoche. Die ersten Jungvögel sind aber erst Mitte Juli flugfähig. So überdauerten einige Paare fast die gesamten zwei Monate des Brutgeschäftes in einer Restfläche. Trotzdem gab es nur eine Brut von insgesamt 19 eingezäunten Bruten, die durch Prädation verloren ging. Dort hatte sich ein Tier, wahrscheinlich ein Dachs, unter dem Zaun durchgegraben. Sonst hat sich der Einsatz von Metallzäunen um das Nest wieder sehr bewährt. Zusätzlich wurde eine Brut der Rohrweihe geschützt, die ebenfalls in einem Getreidefeld brütete, nicht weit entfernt von einer Wiesenweihenbrut. Vier Jungvögel wurden flügge. Ursache für den hohen Bruterfolg dürfte das gute Nahrungsangebot gewesen sein. Die Feldmausdichte war sehr hoch. Auch gab es keine längeren Regenphasen, bei denen immer die Gefahr besteht, dass die kleinen Jungen verklammen oder verhungern, da die Männchen bei Regen nicht jagen können.

Flügger Jungvogel
Restfläche nach Mahd
Wiederfund eines 2014 in der Altmark beringten Männchens
Fast flügge Wiesenweihen, Mitte Juli, kurz vor der Ernte.
Beringung eines Vogels
Blick ins Nest

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