Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

BUND Sachsen-Anhalt

Wälder statt Forste!

Naturwälder speichern Trinkwasser, reinigen die Luft und schützen vor Überschwemmungen. Sie bieten tausenden von Tieren, Pflanzen und Pilzen eine Heimat und sind für uns Menschen Orte der Erholung. Doch der Wald kann sich nur noch auf zwei Prozent der hiesigen Waldfläche natürlich entfalten. Politik und Waldwirtschaft haben ihn zum Forst, einem reinen Lieferanten von Holz, herabgestuft. Der BUND setzt sich dafür ein, Wälder wieder ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen.

Der BUND fordert:

  • Zehn Prozent der Waldfläche in Deutschland zu "Urwäldern von morgen" machen! Mindestens die Hälfte davon bis 2020.
  • Wald ist mehr als Holz! Holzverbrauch senken!
  • Mindestens zehn Prozent der Fläche in öffentlichen Wäldern unbewirtschaftet lassen!
  • Kahlschlagverbot, Bodenschutz und hohen Anteil an Totholz im Bundeswaldgesetz vorschreiben!
  • Verkauf von Wäldern an private Investoren stoppen!

Wälder

(Smileus / fotolia.com)

Tausenden verschiedenen Arten bietet der Wald einen ganz besonderen Lebensraum - und diese unterstützen sich untereinander in ihrem Ökosystem. Das Klima beeinflusst das Vorkommen der verschiedenen Baumarten, so  finden wir in Deutschland Nadel-, Laub- und Mischwälder und außerhalb Europas Tropenwälder.

Besonders schätzen Menschen die saubere Luft sowie Ruhe und natürlichen Geräusche und nutzen den Raum Wald zum Sport, Wandern, Spielen oder um sich bei einem Spaziergang zu entspannen. Mit etwas Glück bekommt man Wildtiere wie Rehe, Füchse oder Eichhörnchen zu Gesicht. Zahlreiche Waldkindergärten bieten Kindern die Möglichkeit, dies täglich zu erleben und naturnah aufzuwachsen.

26% der Landesfläche in Sachsen-Anhalt bilden die gesamte Waldfläche, das sind 532.481 Hektar. Deutschlandweit  nehmen Wälder mit 11,4 Millionen Hektar 32% der Gesamtfläche im Land ein. In Sachsen-Anhalt bestehen die Waldflächen zu 58% aus Nadel- und zu 42% aus Laubwald; mit 47% ist die Gemeine Kiefer die häufigste Baumart (https://mule.sachsen-anhalt.de/landwirtschaft/forst/wald-in-zahlen/wald-in-zahlen/).   

Wälder filtern Schadstoffe aus der Luft, verhindern das Abtragen von Boden durch Wind, festigen ihn und speichern Kohlenstoffdioxid sowie Wasser. Nur ein Quadratmeter Waldboden ist in der Lage, bis zu 200 Liter Wasser zu speichern und diesen Tieren und Pflanzen länger zur Verfügung zu stellen.

Doch was gefährdet die Waldbestände?

Der Mensch ist für enorme Holzfällungen verantwortlich, da dieses für die Verpackungsherstellung benötigt und zur Energiegewinnung und in der Bauwirtschaft genutzt wird. Zu selten wird nachhaltige Forstwirtschaft betrieben.

Gerade in Sommermonaten ist die Gefahr eines Waldbrandes sehr hoch; dabei sterben nicht nur Pflanzen und Tiere - wenn das Grundwasser zu sehr absinkt, ist ein Nachwachsen des Waldes unmöglich. Dieses Problem entsteht auch bei Brandrodungen und zerstört Waldflächen nahezu für immer, um die Flächen für landwirtschaftliche Zwecke vorzubereiten. Nicht selten geraten dabei die Feuer außer Kontrolle und vernichten mehr Flächen als geplant. Ebenfalls werden Auwälder für die Begradigung von Flüssen zerstört.

Extreme Wetterbedingungen wie Stürme, Überschwemmungen und lange Winter/zu heiße Sommer als eventuelle Folgen des Klimawandels schwächen Bäume und machen sie zu einem leichten Ziel von Schädlingen wie Borkenkäfern, Kastanienbohrern und Eichenprozessionsspinnern.  

Waldsterben durch die Klimakrise

Wälder sind die Lunge unseres Planeten und wichtige Klimastabilisatoren. Doch derzeit drohen sie in Deutschland selbst zur Quelle des Treibhausgases CO2 zu werden. Deshalb brauchen wir dringend wirksame Maßnahmen, um die Klimakrise und das Waldsterben zu stoppen! Wir müssen unsere Nadelforste umbauen und die Wälder schonender behandeln.

Wälder im Klimastress

In Deutschland sind die Wälder am stärksten von der Klimakrise betroffen: Infolge der anhaltenden Trockenheit und Hitze der vergangenen Jahre hat sich die Situation dramatisch zugespitzt. Wälder und Waldböden sind ausgedorrt, die Bäume durch den Trockenstress stark geschwächt und anfällig. Waldbrände, Stürme und Massenvermehrungen von baumschädigenden Tieren wie Borkenkäfer oder Nonne lassen in der Folge ganze Waldbestände aus Fichten- und Kiefernmonokulturen zusammenbrechen.

Diese naturfernen Nadelforsten, in vielen Regionen auf ungeeigneten Standorten angepflanzt, sind besonders labil. Naturnahe Laubmischwälder hingegen sind viel stabiler und damit widerstandsfähiger gegen Klimastress. Doch durch Hitze und Trockenheit sind nun auch einige Buchenwälder bereits so geschwächt, dass die Bäume nicht nur als Schutzmaßnahme ihr Laub abwerfen, sondern erste Buchen auch absterben. Es droht ein "Waldsterben 2.0" durch die Folgen der Erderwärmung.

Was wir jetzt dringend brauchen, sind wirksame Maßnahmen, um Klimakrise und Waldsterben zu stoppen! Der BUND stellt hierzu zehn Forderungen an die Entscheider*innen in Politik, Forstwirtschaft und Jagd.

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Wir müssen jetzt handeln!

Wälder sind die Lunge unseres Planeten und eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken, die das Klima stabilisieren. Doch derzeit drohen die Wälder in Deutschland vom Klimaschützer selbst zur Quelle des Treibhausgases CO2 zu werden.

Nur wenn wir die Klimakrise stoppen, haben unsere Wälder langfristig noch eine Chance und kurzfristige Schutzmaßnahmen einen Sinn. Die Bundesregierung muss ihrer Verantwortung gerecht werden und endlich wirksame Maßnahmen ergreifen, um die Beschlüsse von Paris umzusetzen, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen.

Der BUND hat hierzu 30 Forderungen zusammengestellt. Dazu gehören eine umwelt- und sozialverträgliche CO2-Abgabe, der überfällige Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle sowie umfassende sektorspezifische Maßnahmen.

Der Schutz und Erhalt noch bestehender Wälder weltweit muss wie der Klimaschutz oberste Priorität erhalten – vor wirtschaftlichen Interessen und Gewinnstreben. Es gilt, Waldbrände zu verhindern und einzudämmen sowie die weltweite Zerstörung von Wäldern für industrielle Plantagen, Papiergewinnung, Infrastrukturausbau und Ressourcenabbau zu stoppen.

Kommunen und lokale Gemeinschaften, die ihre Wälder schützen wollen, brauchen hierfür die entsprechenden rechtlichen Instrumente sowie Unterstützung bei der Entwicklung und Vermarktung von Waldprodukten, die nicht holzbasiert sind.

Wälder schonender behandeln – ökologische Waldwende einleiten

Um die gestressten Wälder in Deutschland besser gegen die Auswirkungen der Klimakrise zu schützen, müssen wir sie schonender behandeln. Wir müssen unsere Wälder endlich ökologisch verträglich bewirtschaften, sodass mehr Feuchtigkeit im Wald verbleibt und dieser sich selbst stabilisieren kann.

Das bedeutet: weniger drastische Eingriffe für die Holzernte, Entwässerung von Wäldern stoppen und weniger Verkehr im Wald zulassen, um die Verdichtung von Waldböden zu vermeiden. Für diese und andere Punkte muss die Bundesregierung endlich definieren, was eine gute forstliche Praxis ist – und diese in allen Waldgesetzen verbindlich verankern!

Naturwälder zulassen

Langfristig müssen sich zudem mindestens zehn Prozent der Wälder dauerhaft als Naturwälder entwickeln dürfen, frei von forstlichen Eingriffen. In diesen "Urwäldern von morgen" würden nicht nur seltene Tiere, Pflanzen und Pilze besonders geschützt. Die Forschung könnte dabei auch wertvolle Erkenntnisse gewinnen, wie sich der Wald in der Klimakrise selbst helfen kann.

Nadelforste endlich umbauen

Der BUND fordert ein Waldumbauprogramm in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro für den raschen Umbau naturferner Nadelforste hin zu naturnahen Laubmischwäldern. Zusätzlich brauchen wir ein Hilfsprogramm in Höhe von einer halben Milliarde Euro zur Unterstützung von privaten Waldbesitzer*innen.

Zentral für den Erfolg dieser Programme ist jedoch, dass das Wildtiermanagement im Bundesjagdgesetz so gestaltet wird, dass die jungen Laubbäume nicht sofort wieder von Rehen und anderem Schalenwild abgefressen werden.

Bei dem Waldumbau sollen ausschließlich heimische Laubbäume wie Eiche, Buche, Linde oder Hainbuche zum Einsatz kommen, um die heimische Zier- und Pflanzenwelt zu schützen. Für ein einfaches "Weiter so" in der Forstwirtschaft dürfen keine Steuergelder verschwendet werden, eine ökologische Waldwende ist überfällig!

BUND-Bestellkorb