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BUND Sachsen-Anhalt

Braunkelchen & Schwarzkelchen profitieren. Kiebitz und Bekassine leiden an der Trockenheit.

08. Oktober 2019 | BUND, Grünes Band, Landwirtschaft, Lebensräume, Naturschutz

Foto: Ute Machel

BUND-Wiesenvogelschutz am Grünen Band: FAZIT 2019
Großer Dank an die ansässigen landwirtschaftlichen Unternehmen, die mit dem BUND kooperieren.

Salzwedel, 08.10.2019: Die BUND-Koordinierungsstelle Grünes Band in Salzwedel sieht erste Erfolge in Sachen Wiesenvogelschutz. Besonders das Braunkehlchen profitierte 2019. Für Arten naturnaher Feuchtgebiete ist die Situation jedoch katastrophal: Kiebitz und Bekassine leiden.   

Nach fünf Jahren geduldiger Arbeit scheint sich der Bestand des Braunkehlchens, ein in Deutschland besonders gefährdeter Wiesenvogel, am Grünen Band in der nördlichen Altmark zu stabilisieren. Im fast 3.000 ha großen Projektgebiet im Niederungsbereich nahe der Hansestadt Salzwedel konnten 2019 insgesamt 73 Brutpaare erfasst werden. Mindestens 64 Braunkelchen-Paare bekamen Junge, die das Nest verließen. Bei 50 Paaren erreichten wenigstens 180 Jungvögel die Flugfähigkeit. „Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch bei weit über 200 Jungvögeln liegen, doch diese sind trotz hohem Monitoringaufwand nicht immer leicht zu finden“, sagte Olaf Olejnik, Ornithologe in der BUND-Koordinierungsstelle. Damit konnte in den Projektgebieten nördlich Salzwedel eine Entwicklung eingeleitet werden, die entgegen dem bundesweiten Trend verläuft, der weiterhin eine deutliche Abnahme bei dieser Vogelart zeigt.

Auch das Schwarzkehlchen hatte im Jahr 2019 überdurchschnittlich hohen Bruterfolg. Bei 27 Paaren waren mindestens 80 Jungvögel ausgeflogen. Der Hauptgrund dafür liegt in der guten Zusammenarbeit in Sachen Wiesenvogelschutz vieler landwirtschaftlicher Unternehmen mit dem BUND. Die Landwirte arbeiten bereits seit 2015 erfolgreich mit der BUND-Koordinierungsstelle zusammen. Es geht vor allem darum, die Neststandorte besonders gefährdeter Vogelarten von der Bearbeitung auszunehmen, bis die Jungvögel ihre Flugfähigkeit erlangt haben. Dies ist der Hauptgrund für die hohen Bruterfolge von Braun- und Schwarzkehlchen, sowie anderen Vogelarten der Agrarlandschaft. Die Koordinierungsstelle dankt deshalb den Landwirten an dieser Stelle für die hohe Kooperationsbereitschaft.

Unterstützt wurde der Erfolg bei Schwarzkelchen und Braunkelchen in diesem Jahr durch eine für diese Bodenbrüter günstige, sehr trockene Witterung, da unter diesen Umständen kaum Jungvögel wegen Unterkühlung sterben.

Aber nicht alle Vogelarten hatten 2019 ein gutes Aufzuchtjahr. Die seit dem Frühjahr 2018 ununterbrochen anhaltende Dürre reduzierte die Lebensraumqualität von Vögeln, die an naturnahe Feuchtgebiete gebunden sind. Durch die extreme Trockenheit sind sowohl Brutplätze als auch Nahrungsflächen im großen Stil verloren gegangen. Beim Kiebitz zeigte sich in diesem Frühjahr ein dramatischer Bestandseinbruch. An nur 6 Stellen waren die Schnepfenvögel im Projektgebiet des BUND zu sehen. Davon hatten drei Paare einen Bruterfolg, wobei sechs Junge flügge wurden. Viele Kiebitze setzten jedoch gar nicht erst zur Brut an.

Noch katastrophaler war die Situation bei der Bekassine: Sie zeigte sich in der Region, wie auch in den Vorjahren, nicht mehr ansiedlungswillig. Die Schnepfe mit dem langen Stocherschnabel findet in der nördlichen Altmark kaum noch zusagende Habitate, um im feuchten Boden mit ihrem langen Schnabel nach Würmern zu stochern. Sie ist eine Sumpfbewohnerin und die Reste der ehemaligen Sümpfe waren in diesem wie auch im letzten Jahr trockengefallen.

„Wenn wir hier nicht schnellstens gegensteuern und ihre Lebensräume entscheidend verbessern, werden diese Arten in wenigen Jahren aus der Altmark komplett verschwunden sein“, so das Fazit von Dieter Leupold, Projektleiter Grünes Band Sachsen-Anhalt. „Wir brauchen dazu intakte Feuchtgebiete. Angesichts der dramatischen Entwicklungen beim Klima können Feuchtgebiete und Moore zudem einen wichtigen Beitrag leisten, um diese Auswirkungen abzumildern. Sie können Wasser speichern und bei Trockenheit wieder langsam abgeben und puffern damit Extremereignisse gut ab. Zudem stellen intakte Moore wichtige Senken für CO2 dar.“

Die BUND-Koordinierungsstelle Grünes Band wird sich auch weiterhin für den Schutz der bedrohten Wiesenvögel in der Region engagieren. Die Arbeit der BUND-Koordinierungsstelle wird in den kommenden beiden Jahren aus Mitteln des europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) im Rahmen des Entwicklungs-programmes für den ländlichen Raum des Landes Sachsen-Anhalt 2014- 2020 (EPLR) finanziert. In den zurückliegenden Jahren wurden Mittel des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) zum Projekt „Lückenschluss Grünes Band“ eingesetzt.  


PRESSEKONTAKT:
Koordinierungsstelle Grünes Band Sachsen-Anhalt
BUND Landesverband Sachsen-Anhalt e. V.
Amanda Hasenfusz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Chüdenstr. 4 | 29410 Hansestadt Salzwedel
0176.73 81 66 30 | 03901 39 39 75 8
amanda.hasenfusz(at)bund-sachsen-anhalt.de
www.gruenesband.info
www.bund-sachsen-anhalt.de
www.greenbelteurope.eu

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