Warum gibt es die Keuzotterzuchtstationen?
In Deutschland gehört die Kreuzotter zu den „stark gefährdeten“ Arten. Wie nahezu im gesamten deutschsprachigen Raum sind die Bestände der Kreuzotter auch in Sachsen-Anhalt rückläufig. Ihr Rückgang ist mittlerweile so gravierend, dass sie in unserem Bundesland vom Aussterben bedroht ist. Nur noch wenige Tiere leben im Harz und in der Region um Zeitz. Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig: Neben Lebensraumzerstörung zählen auch die Zunahme von Beutegreifern wie Wildschwein und Waschbär dazu. Letzterer ist mindestens Nahrungskonkurrent und dürfte auch Jungottern nachstellen. Die Isolierung der einzelnen Vorkommen führt des Weiteren zu einer genetischen Verarmung und somit schlechterer Anpassungsfähigkeit sowie möglicher verminderter Fortpflanzung. Zu einer weiteren Verschärfung der Situation dürften die Dürrejahre seit 2018 beigetragen haben. Es sind dadurch in den letzten Jahren massive Bestandseinbrüche bei den Waldeidechsen und den Grasfröschen zu verzeichnen. Somit ist besonders die Nahrungsgrundlage für die Jungottern weggebrochen.
Bisherige Meilensteine der Zuchtstation
Jeweils zwei Kreuzottern aus dem Landkreis Harz sowie dem Zeitzer Raum wurden aus der Wildnis entnommen. Einige Weibchen wurden nach Ablage dorthin wieder zurückgesetzt. Ebenso konnten zwei Schlüpflinge bereits im Raum Zeitz ausgewildert werden, denn die Restpopulation vor Ort soll möchst wenig durch unser Projekt geschwächt werden.
In 2025 gibt es keinen Nachwuchs in der Zucht, da Kreuzottern sich nur aller zwei Jahre paaren. Drei Männchen, neun Weibchen und 22 Jungtiere verbleiben im Zuchtstamm für 2026.
- erste Nachzuchtmännchen geschlechtsreif; weitere Nachzuchten aus Bestand von Wildfängen sowie Jungtieren
- Projektziel laut Antrag mit 17 Zuchtpaaren und mindestens 50 Jungtiere pro Jahr erstmals erreicht
Wissenwertes zur Tierart
Eine imposante Enrscheinung
Kreuzotter-Schwärzling
(BennyTrapp
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DGHT)
Die Kreuzotter (Vipera berus) ist mit ca. 50 bis 70 cm Gesamtlänge eine kleine bis mittelgroße Giftschlange. Selten erreicht sie Längen von über 90 cm. Die Färbung der Tiere reicht von hellem Grau über Braun, Rotbraun bis Schwarz. Solche Schwärzlinge (Melanisten) werden auch als Höllenottern bezeichnet. Die Männchen sind kleiner und schlanker als die Weibchen und das bekannte Zickzack-Muster ist bei ihnen kontrastreicher ausgeprägt. Die Pupillen der Ottern sind senkrecht geschlitzt, was sie von un seren heimischen Nattern unterscheidet, deren Pupillen stets rund sind. Dennoch kommt es immer wieder zu Verwechslungen mit der ebenfalls bei uns heimischen Schling- oder Glattnatter (Coronella austriaca). Diese kann man zusätzlich an der Kopfzeichnung unterscheiden. Während Kreuzottern ein kreuzartiges Muster auf dem Kopf haben, sieht das Kopfmuster bei der Schlingnatter wie ein Krönchen aus.
Kreuzotter-Weibchen
(Axel Kwet
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DGHT)
Von der Paarung bis zum Lebensbeginn der Jungtiere
Das Jahr beginnt für die Kreuzotter zeitig: Oft sonnen sich erste Tiere bereits im Februar, Fotos von Kreuzottern im Schnee sind keine Seltenheit. Die Paarungszeit beginnt je nach Region ab April beziehungsweise Mai. Die Männchen buhlen um die Weibchen und zeigen beein druckende Kommentkämpfe gegen potenzielle Rivalen. Zu Schaden kommt dabei jedoch keines der Tiere. War die Paarung erfolgreich, erblicken Jungtiere ab Ende August das Licht der Welt. Eine Besonderheit bei der Art ist die Ovoviviparie, das heißt, die Kreuzotter legt keine Eier in ein Substrat ab, wo sie von der Sonne erbrütet werden, sondern die Eier reifen bis zum Schlupf im Körper der Schlange. Das ermöglicht es ihr, die Eier immer im optimalen Bereich der Sonnenwärme zu platzieren. Dadurch kann sie hoch oben ins Gebirge oder weit in den Norden vordringen. Beim Legevorgang reißen die dünnen, durchsichtigen Eihäute auf und 4 bis 18 fertig entwickelte Jung schlangen starten in ein Leben, bei dem sie von Anfang an auf sich allein gestellt sind.
Beute und Fressverhalten
Die Nahrungsgrundlage für eine junge Kreuzotter bilden vor al lem Schlüpflinge von Eidechsen sowie Jungtiere von Grasfrosch oder Bergmolch. Mit zunehmender Größe kommen Kleinsäuger wie Rötel- und Waldmaus dazu. Außerdem werden kleine Vögel erbeutet und auch Aas verschmäht die Kreuzotter nicht. Die Beute wird mit einem Giftbiss attackiert und oft wieder los gelassen. Danach wartet die Schlange, bis sie nach einigen Mi nuten die Fährte zum Beutetier aufnimmt, um dann das betäubte oder bereits verstorbene Tier im Ganzen zu verschlingen.
IHR VERBREITUNGSGEBIET
Die Kreuzotter besitzt von allen Vipern das größte Verbreitungsgebiet. Es reicht vom westlichen Großbritannien bis zur russischen Insel Sachalin im Osten. Sie ist die einzige Schlange, die auch nördlich des nördlichen Polarkreises zu finden ist. Im Süden erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet bis nach Griechenland. Typische Lebensräume der Kreuzotter sind Moore, Feuchtwiesen, Heidegebiete, Geröllhalden und strauchreiche Waldlichtungen.
Was tun nach einem Biss?
Das Gift der Kreuzotter ist für den Menschen in der Regel nicht lebensbedrohlich, dennoch hat ein Biss unangenehme Folgen wie starke Schwellungen und Schmerzen. Nach einem Biss sollte umgehend eine medizinische Versorgung stattfinden, um Komplikationen, insbesondere einer Blutvergiftung durch eindringende Keime, vorzubeugen.