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BUND Sachsen-Anhalt

Insekt des Jahres 2020 – auch am Grünen Band Sachsen-Anhalt

27. April 2020 | BUND, Grünes Band, Lebensräume, Naturschutz

Ölkäfer Foto: J.Starck

Schwarzblauer Ölkäfer hält sich entlang der Lebenslinie Grünes Band auf | Fundorte im Norden Sachsen-Anhalts an Wirler Spitze und Dahrendorf | Heilung, Gift und die Liebe sind Themen, die sich mit ihm verbinden lassen

Salzwedel, 27.04.2020: Der schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus), auch Schwarzer Maiwurm genannt, ist das „Insekt des Jahres 2020“. Das außergewöhnliche Tier ist am Grünen Band in Sachsen-Anhalt zu finden – an der Wirler Spitze bei Ziemendorf und in Dahrendorf. Beide Standorte zeichnen sich durch größere Trockenrasen- und Heideflächen sowie extensive Nutzung aus; Bereiche und Umstände, die der Ölkäfer zu schätzen weiß.

Gerade im April und Mai sind die krabbelnden Tiere häufiger zu sehen. Sie ernähren sich von Scharbockskraut, Bärlauch oder auch vom Buschwindröschen und sind daher gern an Wegrändern, in Gärten und Auwäldern zu finden.

 

Alle 30 Unterarten des flugunfähigen Ölkäfers, die in Mitteleuropa zu finden sind, gelten als gefährdet. Der Käfer steht auf der Roten Liste. Sein Lebensraum wird weniger, zum Überleben bleibt wenig Platz. Die Entwicklung des Tieres vom Ei zum ausgewachsenen Exemplar ist zudem sehr störungsanfällig. Das Grüne Band ist ein Rückzugsraum geworden für bedrohte Tiere – eben auch für den Ölkäfer. 

Die Männchen des Ölkäfers werden ca. 8–10 mm groß, die Weibchen dagegen werden wesentlich größer: 30–45 mm. Der Ölkäfer steht für die großen Themen des Menschen: Heilung, Mord und Liebe. Das in seinem Körper enthaltene Reizgift Cantharidin machte ihn schon vor 4.000 Jahren entweder zum Heiltier, zum Tötungstier oder sorgte für sexuelle Potenz. Das Gift ist allerdings nicht für den Menschen gedacht – es schützt den Käfer vor Fressfeinden.

Cantharidin konnte wohl gegen eine Fülle von Krankheiten und beklagenswerten Umständen verwendet werden. Ein Beispiel ist das aus dem alten Ägypten (ca. 1.500 BC) bekannte Ölkäferpflaster, das Wehen einleiten sollte. In Honig zubereitete Ölkäfer sollten für eine Erhöhung der sexuellen Potenz sorgen. Doch Vorsicht war geboten, denn das Cantharidin eines einzigen Käfers kann einen erwachsenen Menschen töten.

 

Der Schwarzblaue Ölkäfer ist aus ökologischer Sicht eine besondere Art. Die Käferlarven sind wahre Schmarotzer. Sie ernähren sich in Wildbienennestern von den Eiern und Pollenvorräten der Bienen. Doch wie kommen sie dorthin? Dazu klettern die Larven auf Blüten und warten auf bestimmte Wildbienen, die sie quasi nebenbei und unabsichtlich in ihre Nester transportieren. Nach der Überwinterung im Boden schlüpfen die Käfer im März bis Mai. Die Art lebt an sandigen und offenen Stellen – meist sind zahlreiche Bienennester in der Nähe zu finden.

Trotz der  enormen Vermehrungskraft – ein einzelnes Weibchen kann fünf- bis sechsmal im Abstand von ein bis zwei Wochen je 3.000 bis 9.500 Eier legen (deshalb auch die Größe des Körpers) – wird der Schwarzblaue Ölkäfer in Deutschland in der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Ursache der Bestandabnahme ist an erster Stelle der Lebensraumverlust.


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