Naturschutzmaßnahmen halten Vogelbestände auf gutem Niveau

17. September 2026 | Grünes Band, Lebensräume, Naturschutz

Die Naturschutzmaßnahmen des BUND am Grünen Band schaffen in der Altmark nachweislich wertvolle Lebens- und Bruträume für seltene und gefährdete Vogelarten zum Beispiel durch gezielten Wasserrückhalt und einem abgestimmten Mahdmanagement. Die Ergebnisse des jährlichen Monitorings zeigen, dass konsequenter Naturschutz wirkt und die vom BUND geschaffenen und betreuten Lebensräume für die Vogelwelt eine wichtige Rückzugsfunktion übernehmen.

Kiebitz mit Jungen

Salzwedel. An den Brietzer Teichen hat Dieter Leupold, Leiter der BUND-Koordinierungsstelle Grünes Band,  im Mai dieses Jahres zwei Exemplare eines besonders seltenen Vogels entdeckt: die Zwergdommel.

„Die Zwergdommel ist in Deutschland und sogar in ganz Europa nur noch selten anzutreffen. Deshalb war es eine besondere Freude, sie an den Brietzer Teichen zu sehen. Dass sie dort vorkommt, zeigt, dass wir durch unsere Maßnahmen an den Brietzer Teichen einen Rückzugsort für seltene Vögel geschaffen haben“, erläutert Dieter Leupold.

Für den Kiebitz sind die Brietzer Teiche allerdings kein Hot-Spot mehr. Hier hatte der BUND spezielle Brutinseln für den Zugvogel angelegt. Seit einigen Jahren plündern Rohrweihen und Krähen die Gelege, noch bevor die Jungvögel schlüpfen. An den Teichen konnten dieses Jahr keine flugreifen Jungvögel gesichtet werden, aber der BUND vermutet trotzdem, dass einige Jungvögel heran wuchsen, denn die Altvögel zeigten das sogenannte Warnverhalten, mit dem sie ihren Nachwuchs verteidigen.

Im gesamten Projektgebiet des BUND am Grünen Band haben die Kiebitze 15 Reviere bezogen - nur noch halb so viele wie im niederschlagsreichen Jahr 2024. Mit dem Rückgang der Niederschläge weicht der Vogel vermehrt auf Ackerflächen aus, weil die Wiesen für ihn nicht feucht genug sind. So zum Beispiel in Gebieten rund um Seeben und Ritze, wo 16 Jungvögel flügge wurden. Auf Ackerflächen ist der Kiebitz aber durch landwirtschaftliche Arbeiten besonders gefährdet. 

„Nachdem es dieses Jahr wieder trockener war, ist der Bestand an Kiebitzen am Grünen Band gegenüber 2024 zurückgegangen. Er liegt aber immer noch auf einem vergleichsweise guten Niveau. Der Kiebitz ist einer der am stärksten gefährdeten Vogelarten in Deutschland. Um ihm Flächen zu bieten, wo er ungestört seine Jungen aufziehen kann, ist es besonders in niederschlagsarmen Jahren wichtig, das Wasser in der Landschaft zu halten. Das ist uns auch dieses Jahr in unseren Projektgebieten gelungen“, erläutert Dieter Leupold. 

Beim Braunkehlchen – eine in Deutschland und Sachsen-Anhalt stark gefährdete Vogelart - konnte der BUND den Bruterfolg in seinem Projektgebiet bereits zwischen 2016 und 2019 vervierfachen und seitdem auf gutem Niveau stabilisieren – so auch dieses Jahr: 96 Reviere des Braunkehlchens hat der BUND dokumentiert. Nachgewiesen ist, dass 52 Paare 185 Jungvögel aufgezogen haben - durchschnittlich also 3,5 Junge pro Paar. Der gute Wert zeigt an, dass die Vögel aufgrund der günstigen Witterung nur geringe Brutverluste hatten. Der BUND schätzt, dass weitere 25 Paare erfolgreich gebrütet haben. 

Braunkehlchen brüten am Boden. Für eine erfolgreiche Brut ist es wichtig, dass sie nicht durch eine frühe Mahd gestört werden, sondern ihre Jungen im Schutz des hohen Grases in Ruhe aufziehen können. Deshalb beobachtet der BUND im Frühjahr kontinuierlich die Entwicklung der Jungvögel und stimmt den Mähzeitpunkt mit den Landwirten ab. Gemäht wird erst, wenn die Jungvögel ausgeflogen sind.

„Wir sind sehr froh, dass die Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Landwirten so gut klappt. Ihre Bereitschaft, die Arbeitsabläufe an die Bedürfnisse der Vögel anzupassen, ist entscheidend für den Bruterfolg der Braunkehlchen am Grünen Band“, fasst Olaf Olejnik, Ornithologe und Mitarbeiter beim BUND, zusammen.

Weitere gefährdete Vogelarten beobachtet

In Seeben hat ein Flussregenpfeifer erfolgreich Junge aufgezogen und der stark gefährdete Wiesenpieper hat in einem Gebiet, das sich von Grabenstedt bis Schrampe erstreckt, 50 Reviere bezogen. Nach Einschätzung des BUND könnten sogar weitere 50 Reviere am Grünen Band existieren in Gebieten, die der Umweltverband aus Kapazitätsgründen nicht absuchen konnte. 

Weitere gefährdete Arten, die laut BUND im Raum Salzwedel vorkommen, sind der Wachtelkönig, Krickenten und das Tüpfelsumpfhuhn.

Schwarzkehlchen - nicht gefährdet aber seltener

Letztes Jahr war der Bestand an Schwarzkehlchen in den hiesigen Gebieten rückläufig. Das hat sich dieses Jahr nicht geändert. Während 2021 noch 78 Reviere gezählt wurden, waren es dieses Jahr nur 46. „Das Schwarzkehlchen ist zwar nicht gefährdet, aber leider ist die Ursache für den Rückgang unklar. Erfreulich ist aber, dass der Bruterfolg leicht angestiegen ist. 17 Paare haben 52 vollflügge Jungvögel aufgezogen – das sind drei Junge pro Paar. In den Vorjahren lag die Rate nur bei 2,5 Jungen pro Paar“, erläutert Olaf Olejnik.

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