Klimaanpassungskonzept Salzlandkreis

bis Mai 2027 soll eine Strategie erarbeitet werden, um den Salzlandkreis gegen die verheerenden Extremwetterereignisse im Zuge des Klimawandels zu wappnen. Am 18. Juni 2026 fand hierzu die Auftaktveranstaltung zum Klimaanpassungskonzept des Salzlandkreises statt.

Salzlandkreis wappnet sich für die Heißzeit:

Wenn Klimaschutz versagt, bleibt nur die Anpassung

Das Thermometer zeigt 41,5 °C im Schatten. Unbeschattete öffentliche Plätze verwandeln sich in brütend heiße Zonen mit Oberflächentemperaturen von bis zu 90 °C. Tausende Menschen sterben bundesweit an den Folgen der Hitze; das Gesundheitssystem steht kurz vor dem Kollaps. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen müssen überhitzte Räume gesperrt werden, weil sie für Patientinnen und Patienten zur akuten Lebensgefahr werden. Auf den Autobahnen wölbt sich der Asphalt und birst, Schienen verziehen sich, Bahnstrecken werden gesperrt. Währenddessen verdorren die Ernten auf den Feldern, die ohnehin geschwächten Wälder sterben flächig ab und die Gewässer erreichen kritische Temperaturen und Wasserstände.

Gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz, soll bis Mai 2027 eine Strategie erarbeitet werden, um den Salzlandkreis gegen genau diese verheerenden Extremwetterereignisse im Zuge des Klimawandels zu wappnen. Hierzu fand am 18. Juni 2026 die Auftaktveranstaltung zum Klimaanpassungskonzept des Salzlandkreises statt. Eingeladen hatten das kommunale Klimaanpassungsmanagement und die mit der Durchführung beauftragte STADTLAND GmbH. Das breite Spektrum der geladenen Teilnehmer reichte von der Kreis- und Kommunalverwaltung über das Gesundheits- und Pflegewesen bis hin zum Agrarbereich, der Wissenschaft, der Regionalentwicklung und dem Naturschutz. Wir als BUND Sachsen-Anhalt e.V. wurden hierbei durch den Kreisvorsitzenden des Salzlandkreises, Michael Freisleben, vertreten. Dies gibt uns die wertvolle Möglichkeit, den anstehenden Prozess aktiv mitzugestalten und ökologische Aspekte von Anfang an fest im Konzept zu verankern. 

Das Eingeständnis des Scheiterns

Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch Fachbeiträge der Klimaanpassungsmanagerin Luisa Böning, von Dr. Uwe Ferber (STADTLAND GmbH) sowie Dr. Sandra Sieber (Infrastruktur & Umwelt Professor Böhm und Partner). In den Vorträgen wurde unmissverständlich klargestellt, dass der drängende Handlungsdruck zur Erstellung eines solchen Konzepts das direkte Zeugnis eines globalen Versagens ist: Weil wir es als Weltgemeinschaft versäumt haben, rechtzeitige Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen, bleibt uns heute nur noch das rein defensive Anpassungsmanagement. 

Auf Basis historischer Daten skizzierten die Referenten die klimatischen Trends, die auf den Salzlandkreis zukommen. Sie zeichneten exakt jenes Extremszenario vor, das am Beginn dieses Artikels steht – verbunden mit der eindringlichen Warnung, dass wir schon sehr kurzfristig mit solchen Zuständen rechnen müssen. Niemand im Raum ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass nur zehn Tage später die Realität Sachsen-Anhalt einholen und die Prognosen bittere Wahrheit werden lassen würde.

Umso apokalyptischer wirkt die fundierte Warnung von Dr. Ferber nach: Wenn der globale Trend ungebremst anhält, müssen wir hier vor Ort in bereits 10 Jahren mit Spitzen-Temperaturen von unvorstellbaren 46 °C rechnen – unweigerlich begleitet von langanhaltenden, existenzbedrohenden Dürren, aber auch von unberechenbaren Starkregenereignissen, Sturzfluten und schweren Orkanen.

Gleichzeitig machten die Beiträge jedoch eines unmissverständlich klar: Klimaanpassung darf niemals isoliert betrachtet werden, sondern muss zwingend Hand in Hand mit konsequentem Klimaschutz gehen. Wer nur Deiche erhöht und Klimaanlagen baut, ohne die Ursachen der Erderwärmung zu bekämpfen, doktert lediglich an den Symptomen herum. Genau dieser untrennbare Doppelschritt verleiht der Rolle und den Kernforderungen des BUND in diesem Prozess ein ganz besonderes Gewicht.

Fahrplan in die Resilienz: Was jetzt passiert

Das neu initiierte Klimaanpassungsmanagement versucht nun, das Schlimmste zu verhindern. Der straffe Zeitplan sieht vor, bis Herbst 2026 die regionalen Hotspots und Betroffenheiten zu analysieren, um bis Frühjahr 2027 konkrete Maßnahmenkataloge zu erarbeiten.

In den Workshops am Nachmittag wurde in den folgenden Themengruppen intensiv gearbeitet: Biologische Vielfalt & Landwirtschaft, Menschliche Gesundheit & Stadtgrün sowie Wasserhaushalt & Wasserwirtschaft. Im Rahmen einer ersten Bestandsaufnahme wurde zusammengetragen, wo der dringendste Handlungsbedarf besteht und wo es im Landkreis eventuell schon bestehende Leuchtturmprojekte gibt.

Das bisherige Fazit fällt allerdings ernüchternd aus: Abgesehen von einigen wenigen Trinkbrunnen in größeren Gemeinden wie Aschersleben ist in der Region bislang kaum etwas Nennenswertes geschehen. Die Lücke zwischen dem, was ist, und dem, was dringend nötig wäre, ist gigantisch. Der reale Handlungsbedarf ist schlicht riesig.

Für uns als BUND steht fest: Wenn wir die Landschaft nicht schleunigst so umbauen, dass Wasser in der Fläche gehalten wird, und wenn wir den Städten und Dörfern keinen radikalen, grünen Hitzeschutz verpassen, werden die prognostizierten Temperaturen der nächsten 10 Jahre die Region unumkehrbar verändern. Wir werden diesen Prozess nicht nur intensiv und aktiv mitgestalten, sondern auch kritisch begleiten müssen. Es darf nicht bei Absichtserklärungen bleiben – wir brauchen Taten.

Nehmen Sie Kontakt auf!

Michael Freisleben

Vorsitzender der Kreisgruppe Salzlandkreis
Niederstr. 2 39444 Hecklingen E-Mail schreiben

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