BUND, Landesforstbetrieb und Naturpark Fläming e.V. pflanzen 110 Obstbäume

17. Dezember 2025 | BUND, Wildkatze, Wälder, Naturschutz, Lebensräume

Magdeburg/Coswig. Innerhalb des bundesweiten Projektes "Wildkatzenwälder von morgen" des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie der „Waldrettertage“ des Naturparks Fläming e.V. haben Freiwillige aus Sachsen-Anhalt 110 Obstbäume gepflanzt.

Mit vereinten Kräften wurden insgesamt 110 Obstbäume im Rahmen des Projekts Wildkatzenwälder von morgen in den Boden gepflanzt. Mit vereinten Kräften wurden insgesamt 110 Obstbäume im Rahmen des Projekts Wildkatzenwälder von morgen in den Boden gepflanzt.  (Michel Winter / BUND)

Die gemeinsame Aktion fand auf vier Flächen des Forstbetriebs Anhalt statt, der die Pflanzungen vorbereitete und die Obstbäume standortangepasst auswählte. Der Forstbetrieb stellte jeweils eine Fläche bei Göritz, Cobbelsdorf, Serno und im Naturschutzgebiet Pfaffenheide-Wörpener Bach bei Coswig für die Naturschutzmaßnahme zur Verfügung. Trotz wechselhaften Wetters kamen an vier Tagen insgesamt knapp 30 Freiwillige des BUND und Naturparks allen Alters zusammen, um tatkräftig mit anzupacken. Auch 15 Schüler und Schülerinnen des Jugendwaldheims Spitzberg beteiligten sich an zwei Tagen. Im Anschluss gab es bei geselligem Beisammensein eine deftige Stärkung für alle Helfer und Helferinnen.
 

"Die Freiwilligen des Forstbetriebs Anhalt und des Naturparks sammelten in den vergangenen Jahren fleißig Tierhaarproben an sogenannten Wildkatzen-Lockstöcken, die wir genetisch analysieren ließen. Nachdem wir so die Europäische Wildkatze drei Jahre in Folge im Forstrevier Göritz erfolgreich nachweisen konnten, freuen wir uns besonders, im Fläming ihren Lebensraum aufwerten zu können", so Nicole Hermes, Projektkoordinatorin des BUND Sachsen-Anhalt.


Auch Christoph Bartz, Leiter des Forstbetriebs Anhalt, freut sich: „Die Pflanzaktion zeigt eindrucksvoll, wie Naturschutz und nachhaltige Forstwirtschaft Hand in Hand gehen können. Mit den gepflanzten Obstbäumen alter Sorten entstehen wertvolle Strukturen für zahlreiche Tierarten und ein wichtiger Beitrag zur Vielfalt unserer Kulturlandschaft. Besonders freut mich das starke Engagement der vielen Freiwilligen sowie die gute Zusammenarbeit von BUND, Naturpark und Landesforstbetrieb, mit dem wir gemeinsam artenreiche Lebensräume im Fläming fördern.


Streuobstwiesen bilden in unserer oft ausgeräumten Kulturlandschaft einen Hotspot der Artenvielfalt. Mit ihrem Mosaik aus Bäumen und Unterwuchs vereinen sie die Eigenschaften lichter Wälder und blühender Wiesen. Die scheue Wildkatze als gefährdete heimische Art profitiert vom Strukturreichtum und Versteckangebot auf Streuobstwiesen. Die fruchttragenden Bäume und das Insektenreichtum fördern das Nahrungsangebot für ihre Beutetiere. Vögel, Fledermäuse und Insekten finden neben Nahrung vor allem in den alten Bäumen mit Höhlen und Rindenspalten Ruhe- und Fortpflanzungsmöglichkeiten. 


Hintergrund:

Das Projekt "Wildkatzenwälder von morgen" wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Das sechsjährige Projekt setzen außer dem BUND Sachsen-Anhalt der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen und Thüringen um. In Sachsen-Anhalt wird das Projekt zusätzlich vom Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) lebt zurückgezogen in strukturreichen Laub- und Laubmischwäldern. Ursprünglich in ganz Deutschland heimisch, leben heute etwa 6.000 bis 8.000 Tiere überwiegend in Mittel- und Süddeutschland. Mit dem Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ zielt der BUND darauf ab, dass sich die Wildkatze in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder ausbreiten kann. Sie steht dabei stellvertretend für viele andere Waldbewohner. Dort, wo sich die Wildkatze wohlfühlt, sind die Bedingungen für viele Arten wie Bechsteinfledermaus, Mittelspecht oder Schwarzstorch optimal. Früher lagen Streuobstwiesen als Grüngürtel um Dörfer und Städte herum. Seit 1965 wurden jedoch in Deutschland über 80 Prozent der Streuobstwiesen überbaut oder in Obstplantagen, Wiesen und Äcker ohne Bäume umgewandelt. Ein weiterer Verlust dieses wertvollen Lebensraums erfolgt durch den Ausbau von Straßen, Wohn- und Gewerbegebieten. 

Die Lockstock-Erfassung ist eine störungsarme, wissenschaftliche Methode, um Wildkatzen nachzuweisen. Der BUND führt sie seit mehreren Jahrzehnten gemeinsam mit Partner*innen vor Ort und vielen Freiwilligen im Rahmen seiner Citizen Science Projekte durch. Dabei wird eine sägeraue Holzlatte im Wald ausgebracht und mit einem Lockstoff — meist einem Auszug des Baldrians — präpariert. Der Lockstoff zieht Wildtiere — vor allem die Wildkatze — an, die dann im besten Fall durch Reiben ihre Haare am Lockstock hinterlassen. Diese anhaftenden Haare sichern die Freiwilligen des BUND wöchentlich und werden anschließend im Labor des Senckenberg Instituts für Wildtiergenetik in Gelnhausen auf Art und Individuum sowie ggf. Hybridisierung untersucht. 


Mehr Informationen: 

Projekt-Website "Wildkatzenwälder von morgen“: www.bund-sachsen-anhalt.de/wildkatzenwaelder

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