Naturschützer sichern Nachwuchs der Wiesenweihe

21. September 2026

Dem Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. gelingt es gemeinsam mit Landwirten und Jägern, den stark gefährdeten Greifvogel in Sachsen-Anhalt zu schützen.

 (BUND Sachsen-Anhalt)

Der BUND sucht in Sachsen-Anhalt Getreidefelder nach Nestern der Wiesenweihe ab und sichert diese mit einem Zaun, denn der gefährdete Greifvogel brütet fast nur noch auf Getreidefeldern anstatt auf Wiesen. Auf den Äckern ist der Nachwuchs in Gefahr, weil die Erntearbeiten oft beginnen, bevor die Jungen flügge sind. Die Zäune schützen den Greifvogel auch vor Raubtieren.

Dieses Jahr hat der BUND gemeinsam mit ehrenamtlichen Ornithologen 37 Wiesenweihe-Nester gefunden und 26 davon rechtzeitig umzäunt. Fast alle Bruten waren erfolgreich, und es sind mindestens 87 Jungvögel zur Flugreife herangewachsen. Das ist für einen Bodenbrüter eine sehr hohe Erfolgsquote.

Rekord übertroffen

 „Es sind nochmal mehr Jungvögel flügge geworden als in unserem Rekordjahr 2025. Das freut uns sehr, und es zeigt, dass unser Schutzkonzept aufgeht. Der Schlüssel zum Erfolg ist die gute Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Betrieben und der Jägerschaft. Die Landwirte verzichten auf einen Teil ihrer Ernte, weil sie Restflächen um die Nester herum nicht abernten bis die Jungen flügge sind“, erläutert René Fonger, Projektleiter beim BUND.

Im Zerbster Land konnte der BUND seine Schutzaktivitäten intensivieren und somit mehr Nester finden und sichern als im Vorjahr. Von 14 nachgewiesenen Brutpaaren haben zehn erfolgreich gebrütet. Der positive Trend, der sich in dieser Region bereits in den letzten Jahren gezeigt hat, setzt sich somit weiter fort.

„Dieses Jahr haben wir brütende Paare sogar in den Regionen entdeckt, wo sonst nur sporadisch einzelne Wiesenweihen vorkamen. In der Nähe von Dessau haben wir den ersten Brutnachweis seit 150 Jahren! Das ist eine kleine Sensation“, freut sich René Fonger.

Der BUND geht davon aus, dass in Sachsen-Anhalt insgesamt 40 bis 50 Wiesenweihe-Paare leben, denn neben den 37 Brutpaaren hat der Verband auch mehrere Paare erfasst, die ein Revierverhalten zeigten. Das heißt, die Weihen vertreiben andere Greifvögel oder das Männchen übergibt seine Beute im Flug an das Weibchen. Gebrütet haben diese Paare allerdings nicht.

Rohrweihe soll besser geschützt werden

Auch die Rohrweihe brütet sporadisch in Feldern und profitiert von den Schutzbemühungen für die Wiesenweihe. Zwei Brutpaare hat der BUND dieses Jahr vor den Erntearbeiten gerettet. In Zukunft will der Verband den Schutz der Rohrweihe stärker in den Fokus nehmen. 

Das vom BUND Sachsen-Anhalt e.V. durchgeführte Projekt zum Schutz der Wiesenweihe hat das Land Sachsen-Anhalt finanziert.

 

Hintergrund:

Die Wiesenweihe ist ein Greifvogel aus der Familie der Habichte. Sie hat eine  Flügelspannweite von 110 Zentimetern und ihr Gewicht kann weniger als 300 Gramm betragen. Damit ist die Wiesenweihe die kleinste Weihenart in Mitteleuropa. Die meiste Zeit des Jahres verbringt sie in Afrika, ab Mitte April treffen die ersten Vögel in ihren Brutgebieten in Deutschland ein. 

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