Quervernetzung Grünes Band - das ökologische Rückgrat wird gestärkt

Seit 1989 hat der BUND umfangreiche politische und naturschutzfachliche Arbeit geleistet, damit das 1.400 Kilometer lange Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze erhalten bleibt. Der Lebensraumverbund wird stetig weiterentwickelt. Zum einen naturschutzfachlich als zentrale Achse des bundesweiten Biotopverbundes und zum anderen als einmalige Erinnerungslandschaft. 

Mit dem Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ sollen nun die Biotope im Grünen Band mit angrenzenden bedeutsamen Biotopen verbunden werden. Das stärkt die Funktion des Grünen Bandes als Rückgrat eines großen Biotopverbundes. 

Im Rahmen des Projektes hat der der BUND in fünf so genannten Vernetzungsgebieten, ausgehend vom Grünen Band, Achsen und Korridore geschaffen und will sie langfristig erhalten. In Sachsen-Anhalt liegt das Vernetzungsgebiet in der Landgraben-Dumme-Niederung. Weitere Vernetzungsgebiete liegen in der Delvenau in Schleswig-Holstein, im Thüringer Schiefergebirge, in der bayerischen Rhön und im inneren bayerischen Wald. Für die Arbeit in den Projekten bundesweit gibt es hier eine Übersicht.

Landgraben-Dumme-Niederung

 (BUND Sachsen-Anhalt)

Ausgedehnte Feuchtwiesen, Bruchwälder und zahlreiche Gewässer prägen dieses einzigartige Gebiet. Es ist Teil einer bundesweit bedeutenden Biotopverbundachse für Feuchtgebiete. Doch die intensive Nutzung auf einigen Flächen bedroht die Vielfalt und die Flächen im Grünen Band reichen nicht aus, um unzähligen Arten den benötigten Feuchtlebensraum zu bieten. Daher hat der BUND im Rahmen dieses Projektes im Umfeld des Grünen Bandes die Wasserstände angehoben und das Grünland verbessert

Gemeinsam mit den Landnutzenden hat der BUND Strategien entwickelt, wie die wertvollen Flächen naturschutzgerecht bewirtschaftet werden können. So finden auf Wiesen und in Gewässern Orchideen, Libellen, Schmetterlinge und Amphibien, aber auch Braunkehlchen, Kiebitz und Fischotter einen Lebensraum. 

Verbesserung des Wasserhaushaltes

Drohnenaufnahme von einer überschwemmten Wiese und einem Wald Idealer Lebensraum für Wiesen- und Watvögel - Überschwemmte Kusebruchwiesen  (Anja Möller / Prignitzliebe)

Auf einer Fläche am Ortsrand von Cheine, die im Rahmen des Projektes von der BUNDstiftung erworben wurde, hat der BUND einen 120 Meter langen Entwässerungsgraben aufgefüllt. Weiterhin wurden im Cheiner Moor vier Sohlschwellen optimiert.

Um Auswirkungen der Anstaumaßnahmen zu dokumentieren, wurden Grund- und Oberflächenwasserpegel im Cheiner Torfmoor errichtet. 

2024 waren die Niederschläge überdurchschnittlich hoch. Das hat auf einigen Flächen im Projektgebiet zu großflächigen Vernässungen und Überstauungen geführt. Der BUND konnte sich mit den Betrieben, die die Wiesen bewirtschaften, einigen, dass die Vernässungen bis weit in den Sommer 2025 geduldet werden. Die positiven Effekte der langanhaltenden Vernässungen haben unmittelbar zu einem Anstieg der Brutreviere vieler wertgebender Vogelarten geführt. Die Betriebe haben eine Ausgleichszahlung erhalten.

Grünlandverbesserungen

Um den Bestand seltener Pflanzenarten und typischer Feuchtgrünlandarten zu sichern, bringt der BUND Saatgut aus und setzt vorgezogene Pflanzen in die Flächen. Das Saatgut sammelt der BUND zum Teil selbst und auch die Pflanzen zieht der BUND selbst. Bei den Pflanzen handelt es sich unter anderem um Teufelsabbiss, Wiesen-Primel, Große Klette, Mädesüß, Sumpf-Schafgarbe, Wiesenbocksbart, Wiesenflockenblume und seltene Wildrosen-Arten.

Feuchtwiesen, die nicht mit herkömmlicher Technik bewirtschaftet werden können, deren Offenhaltung aber für die Zusammensetzung des pflanzlichen Artenspektrums essenziell ist, wird für die Mahd eine spezielle Raupe eingesetzt. Diese fährt nicht auf Rädern sondern auf Kettenbändern, die den Boden und die empfindlichen Pflanzen schonen. Das Mahdgut wird von den Flächen entfernt.

Eine weitere Maßnahme zum Erhalt der Artenvielfalt ist das Anlegen von Randstreifen auf bewirtschaftetem Grünland. Um geeignete Standorte auszuwählen, hat sich der BUND intensiv mit den betroffenen Landwirten und dem zuständigen Unterhaltungsverband abgestimmt.

Zusätzlich wurden auf den Feuchtwiesen Erlen zurückgeschnitten, um artenreichere Strukturen besonders in Quellbereichen zu schaffen bzw. zu erhalten. Entlang von Gräben wurden Weidengebüsche zurückgeschnitten, um die Ansiedlung von Offenlandvogelarten wie zum Beispiel dem Braunkehlchen zu fördern.

Vogelschutz

Für den erfolgreichen Schutz vieler Vogelarten ist es wichtig, dass die Bewirtschaftung des Grünlandes an das Brutverhalten der Vögel angepasst wird. Deshalb arbeitet der BUND eng mit den Landwirtschaftsbetrieben, dem Unterhaltungsverband Jeetze, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten zusammen. 

Darüber hinaus fördert der BUND einzelne Vogelarten mit gezielten Maßnahmen. So werden jährlich mehrere Hundert Holzsticken ausgebracht, um Braunkehlchen und Wiesenpieper anzulocken, denn sie nutzen die Sticken gerne als Sitzwarten.

An den Brietzer Teichen wurden an den Brutinseln für den Kiebitz jedes Jahr Bodenmodellierungen durchgeführt und die Inseln vom Pflanzenwuchs befreit. Denn während der Brutzeit braucht der Kiebitz freie Sicht. Die Kiebitz-Jungen gehen selbst auf Nahrungssuche. Um sich gut fortbewegen zu können, darf der Pflanzenbewuchs nicht zu hoch sein.  

Das Kiebitz-Monitoring zeigt, dass der Bruterfolg des Kiebitzes 2024 deutlich höher war als in den Jahren davor – das ist zum großen Teil auf die großflächige Vernässung durch sehr hohe Niederschläge zurück zu führen. 

Fischadler bauen ihre Nester bevorzugt in die Krone von hohen, freistehenden Bäumen. Um Fischadler anzusiedeln, hat der BUND in der Nähe der Brietzer Teiche und in der Salzflora Hoyersburg  zwei 13 Meter hohe Masten mit einer Plattform aufgestellt. Sie dienen dem Fischadler als Nisthilfe. Bereits einige Stunden, nachdem die Masten aufgestellt waren, wurden Fischadler auf ihnen gesichtet.

Maßnahmen im Projekt

Grünes Band: Aus der Linie wird ein Netz

Das Projekt “Quervernetzung Grünes Band” in den anderen Bundesländern

Publikation "Erlebnis Grünes Band - Wo sich Altmark und Wendland begegnen"

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