Biosphärenreservat bleibt vom Gipsabbau verschont

14. Mai 2026 | BUND, Ressourcen & Technik, Naturschutz, Nachhaltigkeit, Lebensräume

Am 14. Mai wurde bekanntgegeben, dass die für den Gipsabbau vorgesehene Fläche bei Breitungen im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz im Landesentwicklungsplan nun doch ein Vorranggebiet für Naturschutz bleibt.

Vertreter*innen der BUND-Landes- und Kreisverbände besuchen im Rahmen der Pressereise zum Schutz der Südharzer Gipskarstlandschaft die Schauhöhle Heimkehle. Ebenso dabei die Bürgerinitiative Pro Südharz. Im Bild zu sehen: Christian Kunz, Landesgeschäftsführer des BUND Sachsen-Anhalt (3.v.l.), Sebastian König, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen (4.v.l.), Olaf Bandt, BUND-Bundesvorsitzender (6.v.l.), Ralf Meyer, Landesvorsitzender BUND Sachsen-Anhalt (4.v.r.), Dr. Burkhard Vogel, Landesvorsitzender BUND Thüringen (2.v.r.)  (Kerstin Neumann / BUND Thüringen)

Die Firma Knauf wird in absehbarer Zeit NICHT in den geschützten Gebieten des Kreises Mansfeld-Südharz nach Gips suchen, sie wird hier NICHT abbauen. Die Freude darüber bei der Bürgerinitiative “Pro Südharz – Gegen Gipsabbau – Für Naturschutz” und beim BUND Sachsen-Anhalt ist groß, der Erfolg wurde noch am gleichen Tag gefeiert. 

Die Regierungskoalition hatte ursprünglich geplant, dem vielfältigen und langjährigen Drängen der Gipsindustrie nachzugeben. Verkleidet war das als Weißfläche im zweiten Entwurf des Landesentwicklungsplanes. Verkauft wurde es als Kompromiss. Sprich: Seid doch froh, dass die ehemalige Vorrangfläche Naturschutz nicht gleich in die Rohstoffsicherung geht, sondern erstmal diesen Nicht-Zustand zugewiesen bekommt, diese Leerstelle, welche die Regionale Planungsgemeinschaft Harz dann mit Inhalt füllen sollte. Unter der Hand wussten alle, wie dieser Inhalt aussehen würde: Zugriff auf die erste Tranche unserer Natur, um hier „kleinteilig“ abzubauen, mit open end, wie in Niedersachsen und Thüringen. Stückchen um Stückchen würden sich die Bagger durch die Landschaft fressen, aus herrlichen Buchenwäldern, Blühwiesen und alten Streuobstbeständen würden Mondlandschaften werden. Die idyllischen Dörfer würden sich mit Gipsstaub überziehen.  

Dieses Szenario haben wir abgewendet, und wir können ruhig zugeben, dass es eine kleine Sensation und ein großer Erfolg ist!

Was wir hier als Bürgerinitiative gemeinsam mit dem BUND Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen geschafft haben, mit dem Verband Deutscher Karst- und Höhlenforscher, mit NABU, Naturfreunden und dem Arbeitskreis Hallesche Auwälder, mit Robin Wood, einem Dutzend vernünftiger Politiker und zahlreichen Naturfreunden aus der ganzen Bundesrepublik und sogar aus dem Ausland, das ist einfach ein Anlass zur Freude! Wir danken allen, die uns in den letzten zwei Jahren mit ihrer Erfahrung, mit Informationen und Publikationen, mit Rat und Tat, mit Spenden und juristischer Unterstützung zur Seite gestanden haben!

Angefangen hatte es im September 2024 mit dem Geheimplan der Firma Knauf, auf dem Land der Gemeinde Südharz nach Gips zu bohren. Für viele war es ein Schock: Geschützte Flächen wie das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz sind gar nicht richtig geschützt! Gemeinderäte, Orts- und Verbandsgemeindebürgermeister, Landrat und Landesregierung verscherbeln hinter dem Rücken ihrer Wähler die Heimat, setzen Naturschutz außer Kraft - Bürger, seid wachsam! Der BUND klagte – wir konnten den Prozess erst einmal stoppen. 

20 Gipskarst-Stammtische später wissen wir es: Widerstand, ist er nur hartnäckig und kreativ genug, hilft! Was haben wir nicht alles gemacht! Postwurfaktionen und Gespräche mit Politikern, eine Petition mit 10.000 Unterschriften, Übergabe im Landtag, Abwimmeln und Nachhaken, vier Ausschuss-Sitzungen zur Petition, über 1000 schriftlich verfasste Stellungnahmen zum Landesentwicklungsplan, zahlreiche Vorträge, drei Benefiz-Lesungen von Dichtern und Schriftstellern, unentwegte Medienarbeit, Sichtwerbung auf T-Shirts und Auto-Heckscheiben („Grips statt Gips!“), Spruchbänder und Kreuze in der Landschaft, überraschendes Auftauchen auf Knauf-Neujahrsempfängen, fast ein Dutzend Protestwanderungen, Auftritte im Gemeinderat und auf Kreistagssitzungen, Aufbau eines gigantischen Netzwerkes, erste und zweite Schritte zur Popularisierung von Recycling und alternativen Baustoffen. Wir haben viel gelernt, nicht zuletzt Demokratie und Toleranz. Das ist nicht zu unterschätzen! In einer zersplitterten Gesellschaft haben wir zusammengehalten, über alle ideologischen Meinungsverschiedenheiten hinweg. Wir hatten uns geschworen: Wir wollen den Gipskarst retten und werden uns nicht in politischen Streitereien verzetteln! Das haben wir durchgehalten, und das war für mich persönlich das beste Resultat! EINIGKEIT MACHT STARK!

Allerdings geben sich die mittlerweile weit über 100 Mitglieder der Bürgerinitiative keinen Illusionen hin. Der Preis für diesen Kompromiss ist hoch. Die Gipsindustrie wird an anderen Orten den Abbau ausweiten bzw. wieder aufnehmen. In Niedersachsen besteht die Gefahr, dass der sogenannte Gipsfrieden aufgekündigt wird, auch hier sind Schutzgebiete betroffen. Ähnlich ist es in Thüringen. Für die Rückgabe der geplanten Weißfläche an den Naturschutz wurden andere Gebiete geopfert, die ursprünglich von landwirtschaftlich genutzten Gebieten in die Obhut des Naturschutzes gehen sollten. Das Gebiet bei Breitungen war im wahrsten Sinne des Wortes ein Bauernopfer.

Die Bürgerinitiative erklärt: Es gibt immer noch genug zu tun. Aktuell: Die UPM-Bioraffinerie in Leuna schielt auf unsere naturnahen Buchenwälder, die für Mitteldeutschland einen wichtigen Kühleffekt im Klimawandel haben. 

Unsere mehrfach geschützte Natur ist kein Rohstofflager! Wir werden uns weiter für sparsamen Rohstoff- und Naturverbrauch, Recycling, Kreislaufwirtschaft, Nutzung schnell nachwachsender Rohstoffe einsetzen, für naturnahen Tourismus und andere Formen wirklich nachhaltigen Wirtschaftens.   

Wir bleiben, wozu wir uns in den letzten zwei Jahren zusammengeschlossen haben: Die Bürgerinitiative Pro Südharz – Gegen Gipsabbau – Für Naturschutz. Und der nächste Gipskarststammtisch ist am 3.6. in Breitungen, ab 18:00 in Ankes Domizil am Freibad. Es gibt etwas zu feiern! Danke an Euch alle! Für Euren Trotz, Eure Hoffnung, Eure Wut und Euren Mut!

Dagmar Schreiber, BI Pro Südharz – Gegen Gipsabbau – Für Naturschutz

 

 

 

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