Wiesenweihe Jungvogel, ca. 14 Tage alt
(BUND)
Die Wiesenweihe brütet bevorzugt auf Getreidefeldern. Dort sind aber die Jungvögel durch Erntearbeiten stark gefährdet. Um den Nachwuchs des seltenen Greifvogels zu schützen, arbeitet der BUND eng mit Landwirten zusammen.
Vor der Ernte sucht der BUND die Felder nach Nestern ab. Wenn möglich, werden diese mit einem Zaun geschützt, um Nesträuber wie zum Beispiel Füchse fernzuhalten. Der Zaun stützt gleichzeitig das Getreide, damit es bei Starkregen nicht auf das Nest fällt und es verschüttet. Wenn die Jungvögel zur Erntezeit noch nicht flügge sind, lassen die Landwirte einen Getreidestreifen um das Nest herum stehen.
In diesem Jahr hat der BUND bisher 30 Brutpaare in Sachsen-Anhalt gefunden - die meisten befinden sich in der Altmark und dem Zerbster Land. Ein Paar brütet in der Börde. Um 24 Nester hat der BUND Zäunen aufgestellt.
„Um den Nachwuchs der Wiesenweihe effektiv schützen zu können, sind wir sehr auf ein Entgegenkommen der Landwirte angewiesen. Wir sind sehr dankbar, dass die hiesigen Landwirte uns so gut unterstützen und sogar ihren Ernteeinsatz an die Bedürfnisse der Wiesenweihe anpassen“, sagt René Fonger. Er leitet das Schutzprojekt des BUND.
Die Wiesenweihe ist ein Greifvogel aus der Familie der Habichte. Sie hat eine Flügelspannweite von 110 Zentimetern, und ihr Gewicht kann weniger als 300 Gramm betragen. Damit ist die Wiesenweihe die kleinste Weihenart in Mitteleuropa. Die meiste Zeit des Jahres verbringt sie in der Sahelzone in Afrika. Nach einem Flug von rund 5000 Kilometern treffen die ersten Wiesenweihen ab Mitte April in ihren Brutgebieten in Deutschland ein.
Die Brutzeit beginnt Mitte Mai. Rund vier Wochen später schlüpfen die Jungvögel. Die Anzahl der Jungen schwankt zwischen zwei und fünf pro Brutpaar. Ab Mitte Juli werden die ersten Jungen flügge. Danach werden sie noch rund zwei Wochen von den Altvögeln mit Futter versorgt, bevor sich der Familienverband auflöst. Dann beginnt für die Jungvögel der gefährlichste Abschnitt ihres Lebens: die erste Reise in ihr Winterquartier. Wiesenweihen aus Mitteldeutschland überwintern meist in Zentralafrika, beispielsweise im Niger, in Nigeria oder Burkina Faso.
Seit 2018 betreibt der BUND Sachsen-Anhalt e.V. Projekte zum Schutz der Wiesenweihe und erhielt dafür öffentliche Fördergelder. Nachdem das Land die Förderung 2024 aussetzte, stellt es dieses Jahr wieder finanzielle Mittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) zur Verfügung.