Tag der biologischen Vielfalt: BUND fordert mehr Wildnis in Deutschland

21. Mai 2026 | BUND, Flüsse & Gewässer, Goitzsche Wildnis, Lebensräume, Naturschutz

Bundesregierung muss ihren Verpflichtungen nachkommen; Zu wenig Wildnis in Deutschland: Natur ohne Eingriffe nur auf 0,6 Prozent der Landesfläche; Wildnis unverzichtbar für den Schutz von Biodiversität, Klima und Wasserhaushalt; BUND fordert mehr Wildnisgebiete, auf mindestens zwei Prozent der Landesfläche

 (Frank Koch)

Zum internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mehr Wildnis in Deutschland. Als Orte ökologischer Vielfalt sind Wildnisgebiete unübertroffen, wenn es darum geht, diesen biologischen Reichtum zu bewahren und gleichzeitig das Klima sowie den Wasserhaushalt zu stabilisieren. Diese Gebiete, in denen sich die Natur auf großer Fläche ohne das Eingreifen von Menschen entwickeln kann, sind hierzulande mit 0,6 Prozent der Landesfläche viel zu selten. Der BUND kritisiert, dass es noch immer zu wenig Wildnis in Deutschland gibt. Bundesregierung muss endlich mindestens zwei Prozent der Landesfläche als Wildnisgebiete auszuweisen, wie bereits 2007 in der Nationalen Biodiversitätsstrategie beschlossen und vor zwei Jahren bekräftigt. Der BUND fordert, mittelfristig auf fünf Prozent der Landesfläche Wildnisgebiete auszuweisen, um Biodiversität, Klima und Wasserhaushalt besser zu schützen. 

Ralf Meyer, Vorsitzender des BUND-Landesverbandes Sachsen-Anhalt: „In unserer von Menschen geprägten Welt ist Wildnis kein Luxus, sondern lebenswichtig. Dort, wo Natur sich frei entfalten kann, finden viele bedrohte Arten noch einen sicheren Lebensraum – und unsere Ökosysteme die Kraft, sich an den Klimawandel anzupassen.“

Wildnisgebiete sollen mindestens 1000 Hektar groß sein, in Mooren, Auen und an Küsten mindestens 500 Hektar. Hier soll sich die Natur frei von Eingriffen durch Industrie, Infrastruktur, Land- oder Forstwirtschaft entwickeln können. Wildnisgebiete dürfen für Erholung, Tourismus, Bildung und Forschung betreten und genutzt werden. Zwei Drittel der Erwachsenen würde es laut Naturbewusstseinsstudie 2023 begrüßen, wenn es mehr Wildnis in Deutschland gäbe. 
 

Ehrenamtsarbeit des BUND schafft wieder mehr Raum für Wildnis
Die BUNDstiftung sowie die BUND-Kreisgruppe Anhalt-Bitterfeld zeigen im Vorreiterprojekt der BUND-Goitzsche-Wildnis, wie Natur vor den Toren Bitterfelds mehr Raum bekommt: Einst wuchsen dort die Auenwälder der Mulde. Dann wurde fast hundert Jahre Braunkohle abgebaut, bis nach der Wiedervereinigung die Bagger verschwanden. Ralf Meyer, der gleichzeitig Projektleiter der an der Goitzsche ist, erinnert sich: „Im Jahr 2000 hatte man im  BUND die kühne Idee, im Zentrum dieser tristen Haldenlandschaft der Natur freien Lauf zu lassen. Mithilfe vieler Spenden gelang es Flächen zu erwerben. Seitdem darf sich die Natur auf den 1300 Hektar ungehindert entfalten und es macht jeden Tag Freude dabei zusehen zu dürfen. Mein Dank gilt insbesondere allen Freiwilligen, die unermüdlich bei den rund 80 jährlichen Veranstaltungen, von Wildnistagen für Kinder bis Fahrradexkursionen, bei der Betreuung unserer Wildpferde oder beim Sichern notwendiger Wege unterstützen.“

Inzwischen entstanden an der Goitzsche zahlreiche Lebensräume mit reicher Tierwelt – neben Biber und Fischotter hat ein Rudel Wölfe das Wildnisgebiet besiedelt. Der Seeadler hat hier sein Jagdgebiet, Kranich und Rohrdommel sind ebenso heimisch wie Waldschnepfe und Bartmeise. Etwa 130 Vogelarten haben die Goitzsche schon als Brutplatz gewählt und auch 48 Libellenarten wurden entdeckt. 
 

Hintergrund:
Der Internationale Tag der biologischen Vielfalt wird jedes Jahr am 22. Mai begangen. Er wurde von den Vereinten Nationen dem Jahr 2000 ins Leben gerufen und soll aufmerksam machen auf die Bedeutung der Biodiversität, also auf die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, Genen und Lebensräumen. Weltweit sollen Menschen und Regierungen sensibilisiert werden für den Schutz dieser Vielfalt, denn sie ist eine wichtige Grundlage für sauberes Wasser, Nahrung, Gesundheit und ein stabiles Klima.

Der BUND setzt sich gemeinsam mit anderen Naturschutzorganisationen für mehr Wildnis in Deutschland ein: Die Initiative Wildnis in Deutschland ist ein breites Bündnis aus 22 Naturschutzverbänden und Stiftungen. BUND und BUNDstiftung sind Gründungsmitglieder der Initiative. Eine Studie der Initiative Wildnis in Deutschland hat allein auf öffentlichen Flächen ein Wildnispotenzial von zusätzlich 1,67 Prozent der Landesfläche identifiziert.


Mehr Information:

Kontakt: 
Ralf Meyer, Landesvorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt e.V., Mobil: 0163 2901803, E-Mail: ralf.meyer(at)bund-sachsen-anhalt.de
Luisa Littich, Pressestelle des Landesverbandes, Mobil: 0151 23537190, E-Mail: luisa.littich(at)bund-st.de 


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