Brand in Schweinemastanlage Düben: Über 20.000 Tiere sterben – jetzt braucht es Konsequenzen

17. Juli 2026 | BUND, Gesellschaft, Massentierhaltung, Naturschutz

Mit großer Bestürzung reagiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Sachsen-Anhalt (BUND) auf den Brand in der Schweinemastanlage Düben bei Coswig (Anhalt), bei dem mehr als 20.000 Schweine qualvoll ums Leben kamen.

Symbolbild  (Stockr/ Maciej Zych)

„Der Tod von über 20.000 fühlenden Lebewesen und die Tatsache, dass bei den Löscharbeiten Einsatzkräfte der Feuerwehr verletzt wurden, erschüttern uns zutiefst. Der Brand zeigt in dramatischer Weise, dass industrielle Massentierhaltung nicht nur im täglichen Betrieb erhebliche Tierschutzprobleme mit sich bringt, sondern im Havariefall unweigerlich zu einer Katastrophe mit unvorstellbarem Tierleid führt.“, erklärt Christian Kunz, BUND-Landesgeschäftsführer.

Der BUND Sachsen-Anhalt kritisiert zusammen mit Irena Gräwert und Martin Rode von der Bürgerinitiative „Saustall Düben“ den Betrieb exakt dieser nun in Großteilen abgebrannten Schweinemastanlage seit vielen Jahren. Dabei standen neben Umwelt- und Gewässerschutz auch tierschutzrechtliche Aspekte stets im Mittelpunkt. Der aktuelle Brand verdeutlicht erneut, wie verwundbar diese Form der Tierhaltung ist und welche gravierenden Folgen Störungen oder Havarien nach sich ziehen können. Wo zehntausende Tiere auf engstem Raum gehalten werden, können technische Defekte oder Brände innerhalb kürzester Zeit zum Massensterben tausender Lebewesen führen.

Besonders kritisch sieht der Natur- und Umweltschutzverein die bislang widersprüchlichen Angaben über die Zahl der geretteten Tiere. Dazu erwartet er eine lückenlose und widerspruchsfreie Aufklärung. Ebenso müsse unverzüglich überprüft werden, ob die Aussage des Veterinäramtes zutrifft, wonach in der betroffenen Anlage keine Kastenstände mehr genutzt wurden. Angesichts der Dimension des Unglücks dürfe es keinerlei offene Fragen geben.

Der Verein fordert deshalb:

  • eine vollständige und transparente Aufklärung des Brandgeschehens sowie der tatsächlichen Zahl der geretteten und verendeten Tiere,
  • eine umgehende Überprüfung der Angaben, dass in der Anlage keine Kastenstände mehr vorhanden waren,
  • den Widerruf der Betriebsgenehmigung der Schweinemastanlage Düben,
  • sowie einen konsequenten Umbau der Tierhaltung in Deutschland hin zu einer tierwohlorientierten Landwirtschaft. Hier stehen sowohl die Landes- als auch die Bundespolitik in der Verantwortung.

Noch verheerenderes Ausmaß verhindert? BUND gewann 2023 Klage gegen Erweiterungspläne des Betreibers 
Dass der Verein den Standort seit Jahren kritisch begleitet, zeigt auch der langjährige Rechtsstreit um die geplante Erweiterung der Schweinemastanlage. Bereits 2018 reichte der Verein einen Normenkontrollantrag gegen den vorhabenbezogenen Bebauungsplan der Stadt Coswig (Anhalt) ein. Hintergrund war die geplante Erweiterung der Anlage um 2.500 Sauenplätze mit den dazugehörigen Absatzferkeln sowie weitere 3.500 Plätze zur Jungsauenaufzucht.

Das Oberverwaltungsgericht Magdeburg erklärte den Bebauungsplan im Jahr 2021 wegen erheblicher Fehler für unwirksam. Während die Stadt Coswig das Urteil akzeptierte, legte die Schweinehaltung Düben GmbH Revision ein. Diese wurde am 20. Juni 2023 durch das Bundesverwaltungsgericht vollständig zurückgewiesen. Damit bestätigte das höchste deutsche Verwaltungsgericht die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts; die Kosten des Verfahrens wurden dem Schweinehaltungsunternehmen auferlegt.

Raus aus der Massentierhaltung! 
Allein in Deutschland werden rund 150 bis 160 Millionen Geflügel, etwa 21,5 Millionen Schweine und gut 10 Millionen Rinder gehalten. Die Tiere werden auf Hochleistung gezüchtet und selten artgerecht gehalten. Das ist schlecht für die Tiere, den Menschen und die Umwelt. Deshalb kämpft der BUND dafür, Massentierhaltung endlich zu stoppen. 

„Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass diese Form der industriellen Tierhaltung erhebliche Risiken für Tiere, Umwelt und Anwohner mit sich bringt. Der Brand von Düben muss ein Weckruf sein, die Tierhaltung in Deutschland grundlegend neu auszurichten!“, fordert Christian Kunz. 

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