Personen von links nach rechts: Anne-Marie Keding, Abgeordnete der CDU und Vizepräsidentin des Landtages in Sachsen-Anhalt, Dr. Jörg Tittel, Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Josi Kellert, B.Sc. Geographie und geprüfte Natur- & Landschaftspflegerin, Hendrik Lange, Landtagskandidat und Sprecher für Umweltpolitik und Naturschutz der Landtagsfraktion Die Linke, Staatssekretär Dr. Steffen Eichner, Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, Steffi Caspers, Biologin, Dr. Meike Kleinwächter, Leiterin des BUND-Auenzentrum Burg Lenzen, Markus Ruge, Lichtdesigner und Mitglied im Verein Visioneum e. V. Wittenberg, Herbert Karl von Beesten, Performender Künstler und Autor, Dr. Ernst Paul Dörfler, Publizist und Autor, vorne: Iris Brunar, BUND-Elbeprojekt, Leonie Bronkalla, Landtagskandidatin für Bündnis90/Die Grünen und Ökologin
(Aileen Dianne)
Dessau. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) lud heute zu einer Schlauchbootfahrt in Brambach (Dessau) ein. Anlass ist der alarmierende Zustand der Hartholz-Auenwälder in den Elbauen: Wassermangel und Hitze lassen immer mehr Eichen, Ulmen und Eschen absterben. An der Tour nehmen neben Staatssekretär Dr. Steffen Eichner aus dem Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt Personen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft teil – siehe unten.
„Die Auen rund um Dessau sind ein Schatz im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe“ sagt Meike Kleinwächter, Leiterin des BUND-Auenzentrums an der Elbe. „Ihre seltenen Eichenwälder sind nicht nur wunderschön und artenreich – sie kühlen die Landschaft, speichern Wasser und schützen uns vor Hochwasser. Der Erhalt der Wälder ist daher in vielfacherweise von enormer Bedeutung.“
Von den einst großflächigen Auenwäldern in Deutschland ist nur noch etwa ein Prozent erhalten. An der Elbe existieren noch wertvolle Reste, doch seit über zehn Jahren ausbleibende Frühjahrshochwasser verschärfen den Wassermangel. Bereits rund die Hälfte der Hartholz-Auenwälder in den Kernzonen des UNESCO-Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe ist stark geschädigt oder abgestorben.
Wassermangel ist die neue Realität“ so Iris Brunar vom BUND und Initiatorin des Dialogs im Boot. „Seit Ende Februar vergangenen Jahres herrscht an der Elbe mit wenigen Ausnahmen Niedrigwasser. Zudem vertieft sich der Fluss als Folge der Einengung und Begradigung zur Verbesserung der Schiffbarkeit im Dessauer Abschnitt immer weiter. Dadurch sinkt der Grundwasserstand und die Auen trocknen noch stärker aus.“
Das Gesamtkonzept Elbe von Bund und Ländern verfolgt daher auch das Ziel, die Sohlerosion zu stoppen und umzukehren. Seit Mitte der 1990er Jahre wird der Elbe ein Sand-Kiesgemisch zugegeben, um die Tiefenerosion zu mindern. Für eine nachhaltige Wirkung sind jedoch ergänzende Maßnahmen im Gewässerbett und in den Vorländern erforderlich. Andernfalls droht dem Biosphärenreservat Mittelelbe und dem Gartenreich Dessau-Wörlitz infolge hydrogeologischer Veränderungen der Verlust ihres UNESCO-Status.
Deutschland erarbeitet derzeit einen Wiederherstellungsplan für die Natur, der zur Renaturierung geschädigter Ökosysteme verpflichtet. „Fluss und Aue müssen wieder besser miteinander vernetzt werden“, sagt Meike Kleinwächter. Der BUND setzt dafür bereits erfolgreich Renaturierungsprojekte an der Elbe um. Um die ökologischen Ziele des Gesamtkonzepts Elbe schneller zu erreichen, brauche es jedoch klare Zuständigkeiten sowie ausreichend Personal und Fördermittel.
Bund und Länder sind gefordert: Obwohl Auenwälder durch die FFH-Richtlinie geschützt sind, fehlen vielerorts wirksame Managementpläne und ausreichende Ressourcen, um ihren Zustand langfristig zu sichern. Mit dem europäischen Naturwiederherstellungsgesetz und der Nationalen Wasserstrategie liegen wichtige politische Rahmen vor. Nun kommt es darauf an, diese konsequent umzusetzen und den Schutz sowie die Renaturierung von Flüssen und Auen zu beschleunigen.
„Die Herausforderungen an der Elbe lassen sich nur gemeinsam lösen“, betont Iris Brunar. „Dafür brauchen wir den Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Naturschutz, Wirtschaft, Landnutzung und den Menschen vor Ort.“ Die gemeinsame Bootsfahrt soll hierfür ein sichtbares Zeichen setzen: Sie bringt unterschiedliche Akteurinnen und Akteure zusammen und macht die Veränderungen an der Elbe unmittelbar erlebbar.
Auch Kunst- und Kulturschaffende begleiten den Dialog. Mit ihren Arbeiten eröffnen sie neue Perspektiven auf die Beziehung zwischen Mensch und Fluss und machen den Wert einer lebendigen Auenlandschaft für eine breite Öffentlichkeit erfahrbar.
An der Dialog im Boot-Tour haben u.a. teilgenommen:
-- Staatssekretär Dr. Steffen Eichner, Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt
-- Anne-Marie Keding, Abgeordnete der CDU und Vizepräsidentin des Landtages in Sachsen-Anhalt
-- Dr. Meike Kleinwächter, Leiterin des BUND-Auenzentrum Burg Lenzen
-- Dr. Jörg Tittel, Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
-- Hendrik Lange, Landtagskandidat und Sprecher für Umweltpolitik und Naturschutz der Landtagsfraktion Die Linke
-- Leonie Bronkalla, Landtagskandidatin für Bündnis90/Die Grünen und Ökologin
-- Herbert Karl von Beesten, Performender Künstler und Autor
-- Josi Kellert, B.Sc. Geographie und geprüfte Natur- & Landschaftspflegerin, beschäftigt an der Fakultät Bauwesen, Geotechnik (FTZ) in Leipzig
-- Steffi Caspers, Biologin
-- Markus Ruge, Lichtdesigner und Mitglied im Verein Visioneum e. V. Wittenberg
-- Dr. Ernst Paul Dörfler, Publizist und Autor
-- Iris Brunar, BUND Elbeprojekt
Rückfragen:
Iris Brunar, mobil: +49 178 1630204, i.brunar(at)gmx.de
Dr. Meike Kleinwächter, mobil: +49 160 92 18 54 40, meike.kleinwaechter(at)burg-lenzen.de, www.bund.net/auenzentrum
Hintergrund und Links:
- Erkenntnisse des MediAN-Projektes: Warum wir mehr Auenwald brauchen
- BUND-Auenzentrum: Lebendige Auen für die Elbe
- BUND zu Lebensräumen und zur Wiederherstellungsverordnung der EU
- Erfolgreiche BUND Renaturierungsprojekte: Intakte Elbauen und Deichrückverlegung.
- BUND fordert 2.000 Kilometer frei fließende Flüsse für Deutschland
- Zum Zustand der Elbe-Auen: Antwort der Landesregierung Sachsen-Anhalt
- Bundesamt für Naturschutz: Auenzustandsbericht 2021
- Gesamtkonzept Elbe (GKE): https://www.gesamtkonzept-elbe.de/
Dies ist eine Pressemitteilung des BUND und spiegelt die Position des Verbands wider.